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Anmerkungen zur Einweihung des Domes St. Nikolai in Greifswald im Juni 1989

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In Greifswald besichtige ich im Juli 1997 während einer Fahrradtour von Hamburg nach Stettin und zurück den Dom St. Nikolai.  Er war auf Initiative des mir aus der Dobbertiner Bruderschaft bekannten damaligen pommerschen Bischofs Dr. Horst Gienke mit Förderung durch den DDR-Staat und finanzieller Unterstützung aus dem Westen wiederaufgebaut und am 11. Juni 1989 im Beisein von Erich Honnecker eingeweiht worden.  Radio DDR übertrug damals den Einweihungsgottesdienst.  Ich weilte zur gleichen Zeit anlässlich eines Urlaubs in Lökken in Nord-Jütland und konnte als einzigen deutschen  Sender eben nur Radio DDR empfangen.  So erlebte ich am Transistorradio diesen Gottesdienst live mit und schrieb daraufhin an Horst Gienke einen Brief, in dem ich ihm meine ehrliche Bewunderung kundtat, dass es ihm gelungen sei, den höchsten Repräsentanten eines durch und durch atheistischen Regimes in einen Gottesdienst zu bringen.  Ich erhielt prompt einen ausführlichen Antwortbrief von Gienke, in dem er zum Ausdruck brachte, mein Brief habe ihn sehr bewegt und er danke von Herzen für mein einfühlsames Mitdenken in die Situation der DDR-Kirchen.  Dass es schon wenige Monate später zu einer totalen politischen Wende kommen würde, konnte ich damals nicht ahnen.  Seine Kirche machte Gienke dann auch kurz darnach seine Kompromissbereitschaft gegenüber dem SED-Regieme im Zusammenhang mit dem umstrittenen Empfang im Anschluss an die Dom-Einweihung zum Vorwurf und zwang ihn, als Bischof der Pommerschen Kirche vorzeitig abzudanken (siehe auch: Rahel von Saß: Der "Greifswalder Weg", Die DDR-Kirchenpolitik und die Evangelische Landeskirche Greifswald 1980 bis 1989, IBSN 3-933255-08-2).  Nun habe ich also nach Jahren die Gelegenheit, diesen Greifswalder Dom selber zu betreten.  Nach der Radtour lese ich mit Interesse Gienkes Autobiographie „Dome, Dörfer, Dornenwege“.

Horst Gienke war ich um 1949/50 auf Rüstzeiten in Rostock-Gehlsdorf für junge Menschen begegnet, die Theologen oder Diakone werden wollten (Dobbertiner Bruderschaft).

Zeitzeugen-Bericht von Horst Gienke (Jahrgang 1930)
(Enthalten im Lebensbericht "Dome, Dörfer, Dornenwege",  Hinstorff Verlag 1996)

Die Kontakte zu dem Jungenkreis in der Schelfgemeinde waren wegen der vielen anderen Interessen, die mich voll in Anspruch nahmen, locker geworden, als mich im Frühjahr 1947 mein Klassenkamerad Dieter Kleimiger - wohl im Auftrag seines Vaters - zu einem Jugendabend in seinem Elternhaus einlud, auf dem der neue Landesjugendpastor anwesend sein würde.
Das war ein Impuls, mich um die alten guten Verbindungen neu zu kümmern. Landesjugendpastor - was war denn das? Das hatte ich noch nie gehört. Er war da, ein junger unauffälliger Mann: Pastor Wellingerhof. Sein Stil war ganz anders, als wir ihn bisher gewohnt waren. Da wurden Choräle, aber auch Wandervogel-Lieder gesungen; es wurde gespielt und erzählt. Im Zentrum stand die Bibelarbeit, wie er es nannte, an der wir im Gespräch beteiligt waren.
Es machte vom ersten Augenblick an Spaß. Friedrich Franz Wellingerhof war damals gerade 30 Jahre alt. Er hatte noch vor dem Krieg begonnen, Theologie zu studieren und es fertiggebracht, als Soldat seine theologischen Examina zu absolvieren. Nach der Rückkehr in seine mecklenburgische Heimatkirche gab es für ihn zunächst keine Dienstwohnung. Er wohnte in einem nicht besonders großen Zimmer zur Untermiete. Dorthin lud er uns nun wöchentlich einmal ein und wir gingen mit immer größerer Freude zu ihm. Schnell hatte Peter Heidrich einen Kosenamen für unseren neuen Pastor bereit: PW. Bald genügte es uns nicht mehr, nur einmal in der Woche zusammenzukommen. Unsere Initiative zu weiteren Treffen nutzte dieser in der Jungenarbeit großgewordene Mann geschickt dafür, uns selbst zu aktivieren. Damit begann für mich ein völlig neuer Lebensabschnitt, der von der Jugendarbeit und PW - oder sollte ich es besser umgekehrt sagen? - bestimmt war.
Sehr bald wußte uns PW, wie wir ihn alle mit Respekt und Liebe nannten, für eine neue Aufgabe zu begeistern: Verkündigungsspiele. Es waren Laienspiele mit einer klaren biblischen Botschaft oder in Spielszenen gebrachte biblische Geschichten. Hier war ich in meinem Element. Begeistert gingen wir immer neu an die Arbeit. Kaum war ein Spiel erarbeitet und der Gemeinde gezeigt, wurde schon wieder das nächste geplant und geprobt. Wellingerhof wußte aus seiner Erfahrung, die er immer weiter vervollkommnete, daß meditative Pausen für den Zuschauer und die Gemeindeglieder wichtig sind und bettete die Spiele in Chorsätze ein, wobei die Sänger zugleich als Hintergrund das Spielfeld in den Kirchen und auf den Bühnen eingrenzten. Der Chor eröffnete zudem die Möglichkeit, viele Jüngere zu beteiligen.
In den drei Jahren von 1947 bis 1949 haben wir erstaunlich viele Verkündigungsspiele erarbeitet und den Gemeinden gezeigt. Schon 1947 übten wir ein Spiel, in dem es um das Bekennen des Glaubens, das große Thema der Jugendarbeit in jenen Jahren, ging: "Ein Christ wird gesucht." Die Handlung spielte im alten Römischen Reich zu Zeiten der Christenverfolgung unter Kaiser Nero, aber Adressat war natürlich die Gemeinde von heute. Ein erster Höhepunkt war im Juni 1948 bei der 700-Jahrfeier des Schweriner Doms "Das Spiel vom Antichristen." Vom Theater hatten wir sogar Kostüme bekommen. Wer zur Jungen Gemeinde gehörte, war hier beteiligt. Ich hatte die Rolle des Antichristen zu spielen, lange Texte waren zu spielen und auf dem Domhof überlaut zu sprechen. Der Inhalt des Spieles hatte uns in seinen Bann geschlagen. Daß ein fiktiver Weltenherrscher alles Maß verliert und sogar gegen die Kirchen und den Glauben mit Gewalt vorgeht, war in jenen Tagen keine ferne apokalyptische Vision und keine historische Reminiszenz, sondern unter der Herrschaft Stalins eine hautnahe Befürchtung, für die es genug alarmierende Signale gab.
Immer größere Aufgaben packte PW mit uns an. "Das Apostelspiel" von Max Mell wurde eingeübt, keine ganz leichte Aufgabe, eigentlich schon für Erwachsene bestimmt. Zu Weihnachten 1948 waren wir mit dem "Worpsweder Hirtenspiel" von Manfred Hausmann beschäftigt. Zum Höhepunkt unserer Verkündigungsspiele wurde im Frühjahr 1949 das Drama in drei Akten von Karl Schönherr "Glaube und Heimat". Hier spielte PW selbst mit, auf Chöre wurde verzichtet, weil das Drama seine eigenen Gesetze hatte. Es ging um die Vertreibung der Salzburger aus ihrer Heimat, weil sie ihrem evangelischen Glauben treu bleiben wollten. Daß Glaube Widerspruch von den Mächtigen erfährt und nicht ohne Opfer gelebt werden kann, war eine deutliche Botschaft an die Zuhörer.
Längst hatte ich die Schülerbühne ganz und gar verlassen. Der Stil der Verkündigungsspiele hatte mich der Arbeit dort entfremdet. Aber vor allem behagte mir die Theateratmosphäre, die sich dort immer stärker ausbreitete, nicht mehr. Trotzdem blicke ich auf die Jahre in der Schülerbühne gerne zurück. Ich habe dort gelernt, Lampenfieber zu beherrschen und mich ganz einem Text und einer Aufgabe im Spiel hinzugeben. Daß Konzentration Freiheit bedeutet, ist mir eine große bedeutungsvolle Erfahrung geworden. Im Laufe meines Dienstes habe ich später nie ernsthaft mit Lampenfieber zu kämpfen gehabt, weil ich mein Rezept dagegen kannte und einzusetzen wußte: Konzentration und Meditation. Bei den Verkündigungsspielen wurde diese Haltung durch das Gebet, mit dem wir jedes Spiel begannen, und durch die Choräle, die betend das ganze Stück durchzogen, in eine letzte Tiefe geführt. Mit Freude und Dank blicke ich auf diese Theater-Spiel-Phase meines Lebens zurück. Gottes gute Führung hat mich auch hier für den kommenden Dienst zugerüstet.
Aber zurück zum Herbst 1947. Damals lud der neue Landesjugendpastor junge Männer, die beabsichtigten, in den kirchlichen Dienst zu treten, aus allen Gemeinden der Landeskirche in das Pfarrhaus nach Dobbertin zu einer Rüstzeit ein. Daraus entstand die "Dobbertiner Bruderschaft", die für die mecklenburgische Landeskirche zu einem Segen geworden ist. Innerhalb weniger Jahre gingen aus ihr mehr als vierzig junge mecklenburgische Pastoren und Diakone hervor.
Während eines Spazierganges zwischen dem Pfarrhaus und dem Klosterbezirk in Dobbertin mit seiner Kirche faßte ich mir ein Herz und ging auf PW zu, um die für mich damals wichtigste Frage zu besprechen: Sollte ich nun wirklich Pastor werden? Daß ich mich für den Verkündigungsdienst verantwortlich wissen würde, war mir klar. Aber sollte das auch bedeuten, den Beruf eines Pastors zu ergreifen? Mußte man nicht erwarten, daß die kommunistische Gesellschaft, auf die man in der sowjetischen Besatzungszone mehr und mehr orientiert war, mit ihrem Atheismus gegen die Kirche Front machen würde. Gingen wir nicht wieder urchristlichen Zeiten entgegen, wo man mit Verfolgungen der Kirche rechnen mußte? War es da nicht vernünftiger, außerhalb der Kirche seinen Beruf zu haben und in seiner Freizeit alle Kraft für das Evangelium einzusetzen? Die ökonomische und rechtliche Basis der Kirche erschien mir damals - erst recht für die Zukunft - als sehr schwach. Auch die Eltern stellten sich und mir solche Fragen, denen ich nicht ausweichen wollte, die ich aber selbst nicht endgültig beantworten konnte. PW hörte sich alles sehr ruhig und verständnisvoll an. Er versuchte nicht, die Bedenken zu zerstreuen. Aber er verwies auf die Verheißungen Gottes, der noch nie einen Menschen, der sich ganz auf ihn verläßt, aus seiner Fürsorge habe fallen lassen. Schlicht sprach er von der Hoffnung des Glaubens, daß Gott seiner Kircheunterwegs in die Zukunft - wie immer sie aussehen werde - treu bleiben werde. Das war für mich überzeugend und befreiend zugleich. Von dieser Stunde stand für mich endgültig fest: Du wirst Pastor. Die "vocatio interna", für die Theologen eine wichtige Voraussetzung für die Berufung zum kirchlichen Dienst als Pastor, wurde hier zur letzten Gewißheit. Meine Freude darüber war groß und ist es bis heute geblieben. PW hat recht gehabt. Gott hatte in den kommenden Jahren einen großen und aufregenden Weg für seine Kirche bereit. Immer hat er für seine Leute gesorgt und sie nie im Stich gelassen.
In jenen Jahren blühte die kirchliche Jugendarbeit überall. Schwerin war keineswegs eine Ausnahme. Mehr als 100 Jungenkreise gab es 1948 allein in Mecklenburg; dazu kamen die Mädchenkreise in vielen Gemeinden und einige gemischte Kreise. Die Jugendarbeit bestimmte neben - oder besser: vor - der Schule in vielfältiger Weise auch mein Leben. Bald hatte uns PW angeleitet, eigene Jungenkreise zu sammeln und zu leiten. Die tägliche Bibellese legte er uns so ans Herz, daß viele von uns sich fest daran hielten. Diese persönliche Bindung an die Schrift und das Gebet waren uns wichtige Hilfen auf dem täglichen Weg. Was bedeuteten demgegenüber die täglichen Belastungen?!
Die jungen Leute aus den kirchlichen Jugendkreisen in den sonntäglichen Gottesdienst der Gemeinden zu integrieren, war schon in jenen Jahren ein Problem. Um so wichtiger wurde ein Gottesdienst, den die Jungen Gemeinden in den einzelnen Orten gemeinsam hielten: die Monatsrüsten, die damals ihren Anfang nahmen. In Schwerin trafen sich am 1. jeden Monats gegen Abend alle Jugendkreise im Hohen Chor des Domes zu diesem Gottesdienst. Man stand in weitem Halbkreis um den Hochaltar herum, Jungen und Mädchen natürlich sorgsam getrennt. Der neue Monatsspruch wurde ausgelegt, das Monatslied eingeübt und gesungen. Die liturgische Ordnung war sehr einfach, aber die Anziehungskraft der Monatsrüsten überall erstaunlich. Hier wurde der starke geistliche Impuls der Jugendarbeit in jenen Jahren besonders deutlich. Bald genügte uns die monatliche Andacht nicht mehr, und wir verabredeten auf eigene Faust, uns an den Wochentagen morgens vor Beginn der Schule rings um den Hochaltar des Doms zu einer Morgenandacht, der Morgenwache zu treffen, die abwechselnd von uns selbst gehalten wurde. Sie dauerte noch keine 15 Minuten, aber wir gingen gemeinsam unter Gottes Wort in den Tag und in die Schule.
In den Monatsrüsten wurde das Zeichen der Jungen Gemeinde, das Kreuz auf der Weltkugel, an Konfirmierte verliehen, die treu in ihrem Jugendkreis mitarbeiteten und bereit waren, dieses Bekenntniszeichen zu tragen. Um dieses Zeichen gab es bald allerlei Auseinandersetzungen, weil es von politischer Seite als Mitgliedszeichen einer verbotenen Organisation angegriffen wurde. Es machte viel Mühe, dieses Mißverständnis auszuräumen und den Charakter des Bekenntniszeichens zu betonen. Dieses Zeichen war für viele junge Christen damals eine große Freude und eine Hilfe, ihren Glauben zu bekennen. Widerspruch gegen den Glauben gehörte in jenen Tagen, in denen der historisch-dialektische Materialismus allerorten propagiert und studiert wurde, bereits zum Alltag. Es gab aber noch Versuche, auch öffentlich einem atheistischen Denken zu widersprechen. Pastor Aurel von Jüchen hatte als Verantwortlicher für den Schweriner Kulturbund ein "Jugendforum" ins Leben gerufen, auf dessen Veranstaltungen auch um das Thema Atheismus gerungen wurde. Wir junge Christen beteiligten uns tapfer daran, waren aber wissensmäßig und methodisch der Aufgabe bald nicht mehr gewachsen. Zu unserer Freude kam PW uns zur Hilfe, der rhetorisch gewandt und stark polemisch dort die apologetischen Thesen der Kirche vertrat. Daß Aurel von Jüchen bald nach der Gründung der DDR verhaftet wurde, hat uns damals sehr bewegt. Es hing zweifellos mit seinem Versuch zusammen, in den Jugendforen ehrliche Gespräche und ernsthafte Auseinandersetzung im demokratischen Geist zu ermöglichen. Jahrelang war er - ohne daß man von ihm irgendetwas wußte - in sowjetischen Lagern, bis er endlich 1955 nach dem Adenauer-Besuch in Moskau entlassen wurde und danach als kranker Mann in West-Berlin lebte. Auch mit der Verhaftung von Pastor Lic. Lansemann aus Wismar, der uns auf einer Kühlungsborner Rüstzeit ein guter Freund geworden war, legte sich ein tiefer Schatten über uns. So war der Alltag - jedermann konnte jederzeit ohne jede Spur verschwinden. Lansemann war Diabetiker und ist schon bald nach seiner Verhaftung aus Mangel an Insulin gestorben.
Große Freude bereiteten in der Jugendarbeit jener Jahre die Rüstzeiten. Wie primitiv begann es. Natürlich diente Stroh als Lagerstatt. Lebensmittel mußten mitgebracht werden; daß vom Evangelischen Hilfswerk zusätzliche Rationen zur Verfügung gestellt wurden, war eine besondere Freude. Die rechtliche Unsicherheit hatten die Teilnehmer gar nicht im Blick; sie war aber für die Verantwortlichen eine zusätzliche Belastung. Und doch: Inmitten all dieser heute unvorstellbar primitiven Verhältnisse erlebten viele Teilnehmer gesegnete und glückliche Tage der Gemeinschaft unter Gottes Wort und miteinander. PW war während der ganzen Sommerferien von einer Rüstzeit zur anderen im Einsatz. Im Sommer 1948 hatte er mich gebeten, ihm nach der Rüstzeit, die ich für meinen Jungenkreis hielt, zu helfen. Das tat ich gerne und war mehr als drei Wochen an ganz verschiedenen Stellen immer für etwa sechs Tage mit ihm unterwegs. Aber dann ging es nicht mehr; meine Kräfte waren am Ende. Für die letzte Rüstzeit dieses Sommers mußte ich ihm absagen. Schon im Frühjahr 1948 war ich einmal zusammengeklappt, weil die Anforderungen in der Schule und der pausenlose Einsatz in der Jugendarbeit über meine gesundheitlichen Möglichkeiten ging. Die Lebensmittelrationen waren klein und die Kräfte schnell am Ende. Sofort war der gute PW zur Stelle und brachte mir vom Hilfswerk einige wichtige zusätzliche Lebensmittel. Nach ein paar ruhigen Tagen im Bett ging es im alten Rhytmus weiter.
Vom 1.Januar bis zum 1.Oktober 1949 habe ich das einzige Mal in meinem Leben ein Tagebuch geschrieben, es all die Jahre bewußt aufbewahrt und jetzt nach fünfzig Jahren zum ersten Mal wieder gelesen. Literarischen Wert besitzt es nicht, aber es enthält viele interessante Informationen über die letzten Monate meiner Schulzeit und über die glücklichen Monate eines "mulus", des jungen Mannes zwischen Schulabgang und Studienbeginn. Es zeigt auch, mit welchem Eifer und Einsatz der Schreiber in der evangelischen Jugendarbeit lebte. Betroffen bin ich davon, wie oft die Sorge vor einem zukünftigen Krieg in den Zeilen eines 19jährigen anklingt. Die politischen Ereignisse um die Zukunft der deutschen Einheit werden mit Hoffnung verfolgt, aber die Enttäuschung über die ideologischen Verfestigungen auf allen Gebieten überwiegt aufgrund von täglichen Erfahrungen. Die Schwierigkeiten, seinen Glauben ungehindert zu leben, nahmen ständig zu. Immer wieder klingt die Befürchtung an, es werde zu einer schweren, gewaltsamen Auseinandersetzung um den Glauben kommen. Doch gingen wir unseren Weg - dann und wann sicherlich ein wenig bange, aber in der Grundhaltung ganz fröhlich und voller Zuversicht auf Gottes Nähe und Macht.
In diesen entscheidenden Jahren ist für mich die Weggemeinschaft mit Friedrich Franz Wellingerhof von großer Bedeutung gewesen. Er hat vielen von uns jungen Leuten damals einen persönlichen Zugang zum Wort Gottes und zum Glauben an Jesus Christus vermittelt. Ruhig, aber zielstrebig nahm er uns in die Verantwortung und leitete uns ganz praktisch und vor allem geistlich zum Dienst in der Jungen Gemeinde an. Vielfältig ließ er uns die Gemeinschaft unter dem Wort in der Kirche erfahren. Daß Glaube mit Freude und Phantasie genauso zusammengehört wie mit Verantwortung und Einsatz aller Kräfte, lebte er mit Wort und Tat vor und steckte uns damit kreativ an. Er war beides: ein großer Stratege der kirchlichen Jugendarbeit wie ein ganz praktischer Leiter von Gruppen und Großveranstaltungen. Besonders Jungen wußte er zu begeistern, ohne sich selbst dabei zu verausgaben. Seine Gaben kamen in der großen Zeit der Jungen Gemeinde von 1947 bis 1953 voll zum Zuge. Dieser Dienst ist bis heute bei vielen, die ihn erlebt haben, unvergessen. Es blieb ihm freilich die herbe Enttäuschung des Rückgangs der Arbeit nach 1953 nicht erspart. Er hat mit immer neuer Phantasie auch dann gute Wege zu finden gewußt. Wir haben ihn verehrt, wir haben ihn geliebt.

 

Der Bischof zu Greifswald              DDR- 2200 Greifswald, 27. Juni 1989
                                                  Rudolf-Petershagen-Allee 3
                                                  Telefon 2676
Herrn
Jürgen Ruszkowski
Krayenkamp 5 - Seemannsheim -
D-2000 Hamburg 11

Lieber Bruder Ruszkowski!
Ihr Brief aus Dänemark als Echo auf das Miterleben unseres Gottesdienstes am -11. Juni in Greifswald hat mich sehr bewegt. Ich möchte Ihnen dafür von Herzen danken.
Es sind nicht nur die schönen Erinnerungen an die Tage der Dobbertiner Bruderschaft, die für viele von uns ein Leben lang von großer Bedeutung geblieben sind, sondern auch Ihr einfühlsames Mitdenken in unsere Situation. Sie werden in der kirchlichen Presse der Bundesrepublik viel Kritisches lesen. Gerade deshalb ist es erfrischend, einmal eine Stimme zu hören fern ab von den in bestimmten Kreisen der Kirche so schnell fertigen Bildern. Ich hoffe in der Tat, dass wir auf diesem Wege gute Brücken des Miteinanders in unserer Gesellschaft .bauen können und damit einen kleinen Beitrag für den Weg des Friedens tun können, von dem wir viel reden, aber der ja im Alltag und in jeder Situation konkret bewährt sein will.

Es ist mir eine große Freude, von Ihnen zu hören. Ich kann mich nicht präzise an unsere Begegnungen Ende der 40er Jahre erinnern, aber Sie werden das ganz richtig einordnen.
Aus dem beiliegenden Prospekt entnehme ich, dass Sie das Seemannsheim in Hamburg leiten. So gelten Ihnen dorthin meine herzlichen Grüße. Möchte Ihre Arbeit in guter Weise fortgeführt werden können und gesegnet bleiben. Vielleicht gibt es einmal eine Möglichkeit der Begegnung, ich würde mich darüber freuen, und bleibe mit herzlichen Grüßen


                                         Ihr 
gez. H. Gienke
 
 

Zwischen Horst Gienke und mir gab es anschließend über die Wende hinaus einen weiteren Schriftwechsel.

 

 

Joachim Gauck in seiner Autobiographie – Seite 136/37

Hauptattraktion unseres Kirchentages 1988 sollte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt sein…  Wir mussten seinen Auftritt aber nicht nur dem Sttat gegenüber durchsetzen, sondern auch gegen Widerstand in den eigenen Reihen.  So kam es zu einer unerfreulichen Situation bei einer Verhandlung mit dem Rat des Bezirks, an der von kirchlicher Seite je zwei Vertreter der Mecklenburgischen und der Greifswalder Kirche teilnamen.  Als von staatlicher Seite zum wiederholten Mal Bedenken gegen den Besuch von Helmut Schmidt geäußert wurden, sprang ihr der Greifswalder Bischof Gienke plötzlich bei: »Wenn die Herren vom Staat sich so schwertun mit der Einreise des Altbundeskanzlers, dann sollten wir sie doch verstehen und uns vielleicht zurückziehen.«

Bischof Stier und ich trauten unseren Ohren nicht: »Bruder Gienke, das werden wir doch wohl nicht hier erörtern?  Darüber werden wir uns doch erst einmal untereinander verständigen?«  Hinterher kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung, in der Bischof Stier und ich nicht einlenkten, denn der Kirchentag fand in unserer Landeskirche statt.  Wir vertraten die Haltung, dass wir dem Staat nicht die Drecksarbeit abnehmen und Helmut Schmidt ausladen würden.  Viel später, nach der Öffnung der Stasi-Akten, stellte sich heraus, dass es für Bischof Gienke wie für seinen Superintendenten eine Akte als IM bei der Stasi gab.  Als staatliche Stellen die Einreise Schmidts zum Kirchentag in Rostock tatsächlich ablehnten, schrieb unser Landesbischof Stier dem ehemaligen Bundeskanzler einen Brief, dass er die Einladung aufrechterhalte.

Und Helmut Schmidt kam.  Am 18. Juni 1988 sprach er vor rund 2.500 Zuhörern in der Marienkirche und nahm anschließend an einer Podiumsrunde in der Heiligen-Geist-Kirche vor rund tausend Besuchern teil.  Bei seiner Begrüßung notierte der MfS-Offizier: »Jubelrufe, lang anhaltender stürmischer Beifall.«

 

 

 

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