Junge Gemeinde Mecklenburg

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Junge Gemeinde Mecklenburg in den 1950er Jahren

Junge Gemeinde in Mecklenburg

in den 1950er Jahren mit Landesjugendpastor Friedrich Franz Wellingerhof

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Mein Weg zur Kirche

Auszüge aus meiner Autobiographie

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Bis zu meinem 10. Lebensjahr habe ich außer der mir unbewusst gebliebenen Taufe als Säugling in Stettin zu Christentum und Kirche keine Beziehung.

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Ich wurde am 21. April (Ostern) 1935 in der 1906 bis 1909 erbauten und von Jürgen Kröger entworfenen neugotischen Bugenhagen-Kirche (heute St. Adalbert gewidtmet) in Stettin getauft.

Mein Vater ist kirchlich völlig uninteressiert, meine Mutter keine besonders „fromme“ Frau, geht aber des öfteren in die Kirche und betet abends mit uns Kindern am Bett. Als wir nach der Flucht in Grevesmühlen in Mecklenburg landen, dauert es etwa ein Jahr, bis sich das öffentliche Leben wieder soweit stabilisiert, dass die Schulen ihren Betrieb neu aufnehmen.

Kirche in Grevesmühlen

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grevesmkirchplatzklein.jpg Kirchplkatz in Grevesmülen

In diese Leere hinein stößt die kreative Aktivität zweier aus dem Osten Deutschlands geflüchteter christlich-pietistischer Männer, Hollmann und Alexander Kuschfeld , die den Kindergottesdienst in der Grevesmühlener Kirche aktivieren.
Als offizieller Seelsorger amtiert in Grevesmühlen der alte, kleine und schlanke, weißhaarige und sehr würdevolle Propst Münster, der unter normalen Verhältnissen schon längst im Ruhestand gewesen wäre, aber durch den Krieg und seine Folgen noch sein Amt ausfüllt, weil die wehrfähigen Männer „im Felde“ und später in Kriegsgefangenschaft weilen, es Frauen im Pfarramt damals noch nicht gibt, allenfalls hier und da mal eine Vikarin.

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Der alte Propst ist mit Sonntagspredigt in leisem, schon etwas müdem Tonfall, vielen Kasualien und Konfirmandenunterricht in riesigen Gruppen voll ausgelastet und hätte für Kinder- und Jugendarbeit weder Kraft und Zeit noch Charisma.

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Der zweite Pastor, Friedrich Wilhelm Gasse , ist noch jahrelang in russischer Kriegsgefangenschaft.

von links nach rechts: Propst Lietz, zuvor Pastor in Mühlen-Eichsen, Propst Münster, Pastor Gasse (Später Oberkirchenrat in Schwerin)

Als meine Mutter die Einladung zum Kindergottesdienst im Schaukasten der Kirche sieht, ermuntert sie mich, dieses Angebot „Sonntagsschule“ zu besuchen. Alexander Kuschfeld und Hollmann wirken mit ihrem Kindergottesdienst recht engagiert und segensreich. Jeden Sonntag versammeln sie etwa fünf bis zehn Dutzend Kinder in der Kirche. Sie haben einen Kreis von Helfern, die in nach Alter differenzierten Untergruppen die biblischen Texte erzählen und in kindgemäßer Weise interpretieren. Jedes Kind bekommt eine Sammelmappe aus Pappe, in die hektographierte Liedertexte und Bilder zu biblischen Geschichten zu geheftet sind, die Sonntag für Sonntag neu verteilt werden. Ich gehe jeden Sonntag regelmäßig und gerne in den Kindergottesdienst und singe begeistert die pietistischen, oft aus England stammenden Lieder, zum Beispiel: „Wenn wir zieh’n, von Sünden frei und rein, in das gelobte Kanaan ein. Jesus, sieh her, ich komm!“ oder „Singt froh dem Herrn, ihr jugendlichen Chöre“. Die fromme Saat fällt bei mir auf fruchtbaren Boden und geht auf. Später werde ich selber fleißiger Kindergottesdiensthelfer. Zur Zeit des Vorkonfirmandenunterrichts folge ich einer Einladung zu den Gruppenstunden der kirchlichen Jugend, die zunächst ein Herr Heydeck, später der Gemeindediakon Karl Fischer leitet. Fischer ist kein besonders „frommer“ Mann, etwas derb, raubeinig und polterig. Er stammte aus dem Schwarzwald, hatte im Rauhen Haus in Hamburg die Diakonenausbildung durchlaufen und dann eine Stelle als Volkspfleger bei der Jugendbehörde in Hamburg gefunden. Da seine Frau aus Reppenhagen, einem Dorf bei Grevesmühlen stammte, war er nach Kriegsende nach Grevesmühlen verschlagen worden und hatte sich dort für einige Jahre als Gemeindediakon verdingt. In den Gruppenstunden erzählt er uns ausgiebig von seinen Kriegserlebnissen in Frankreich und seinen Nahkampfkontakten mit amerikanischen Soldaten. In den Dörfern rund um Grevesmühlen hält er Gottesdienste. Auf den Fahrten dorthin begleite ich ihn öfter zusammen mit anderen Jugendgruppenmitgliedern. In dem Jugendkreis lerne ich Hans Gottschalk kennen, mit dem ich mich intensiv anfreunde und jahrelang eng verbunden bleibe.

Mit Karl Fischer unternehmen wir mit etwa neun Jungen, darunter Dieter Polster, Horst Nagler, Hans-Georg Schmeling und Hans Gottschalk, einen Zweitagesausflug zur Ostseesteilküste in Brook und übernachten unterwegs in Reppenhagen bei einem Förster auf einem Heuboden. Es ist ein prägendes gemeinschaftsbildendes Erlebnis. Singen und Gemeinschaftserlebnis, die Gefühlsebene ansprechende Aktionen sind es vor allem, die mich in christlich-kirchliche Gruppen einbinden. Wir üben Krippenspiele und Verkündigungs-Laienspiele ein und führen sie vor. Einige Male übernehme ich Hauptrollen, so im Krippenspiel als „Josef“ oder in dem Spiel „Die Trossbuben“, das wir mehrmals in der Kirche in Grevesmühlen vor vollem Hause und auch in Dorfkirchen in der Nachbarschaft aufführen. - Im Konfirmandenunterricht bei Propst Münster, der damals bei den starken Geburtsjahrgängen riesige Gruppen zu unterweisen hat, werden noch in herkömmlicher Weise große Teile des Kleinen Katechismus, Psalmen und Choralverse auswendig gelernt. Da in der sowjetischen Besatzungszone kein Religionsunterricht in der Schule erteilt werden darf, stellt die Kirche Katecheten an und organisiert selber die „Christenlehre“, an der auch ich teilnehme. Eine der Katechetinnen, Fräulein Stolz, gründet einen Blockflötenkreis und bringt mir die Flötentöne bei. Willi Gottschalk, Hans’ Vater, ein aus Westpreußen stammender gläubiger Pietist, gründet zusammen mit Kuschfeld einen Posaunenchor, in dem auch ich das „Tröten“ lerne, zunächst auf einem Tenorhorn, später mit der Zugposaune. Dieter Kuschfeld spielt Piston, Hans Gottschalk Flügelhorn und später Tuba.

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Der Posaunenchor in Grevesmühlen unter Leitung von Willi Gottschalk.

Ich bin ganz links auf dem Bild.

 

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 So werde ich ein frommer Knabe und noch frommerer Jüngling. Hans Gottschalk (2007 verstorben) will Pastor werden, ich voll jugendlicher Begeisterung Missionar.

Dobbertiner Bruderschaft

Vom 11. bis 16. April 1949, in der Karwoche, findet auf dem Michaelshof in Rostock-Gehlsdorf eine „Rüstzeit“ der „Dobbertiner Bruderschaft“ statt. Der mecklenburgische Landesjugendpastor Wellingerhof hatte alle jungen Männer eingeladen, die sich mit dem Gedanken trugen, als Pastoren oder in anderen kirchlichen Berufen in den hauptamtlichen Dienst der Kirche zu treten. In meiner damaligen pubertären Phase will ich Missionar werden.

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Über den Diakon Karl Fischer erhalte ich auch die Einladung des mecklenburgischen Landesjugendpfarramtes in Schwerin zu einer Freizeit: Zusammen mit Hans Gottschalk, Klaus-Dieter Schröder und Joachim Albrecht aus Grevesmühlen fahre ich einen Tag nach meiner Konfirmation am Sonntag Palmarum, dem 10. April 1949, zu dieser Rüstzeit. Ich bin einer der jüngsten Teilnehmer. Aus dem gehaltvollen Programm: Morgendlicher Betkreis, tägliche „Morgenwache“ (Andacht), jeweils von einem der älteren Teilnehmer gehalten, Bibelarbeiten über Passionstexte aus dem Johannesevangelium, Vorträge: z.B. Professor Dr. Dörner: „Glauben an Jesus Christus in der Gegenwart“, Oberkirchenrat de Boer: „Wie finde ich den Weg zu Jesus Christus?“, Landesbischof Dr. Beste: „Die Aufgaben der Kirche“, Pastor Stark, Leiter des Michaelshofes, über „die Innere Mission“ und Rundgang über den Michaelshof, oder auch über „moderne Biologie“ oder „moderne Physik“ von jeweils einem älteren Teilnehmer, vorlesen eines Passionsspiels, gemeinsames Singen, Teilnahme an der Bach’schen Matthäuspassion in der Rostocker Marienkirche, Besuch der theologischen Fakultät der Universität Rostock, tägliche Abendandacht. Diese Woche in der Gemeinschaft bewusster junger Christen, darunter eine ganze Reihe mecklenburgischer Pastorensöhne, hat mich stark beeindruckt und geprägt.

Besondere Erlebnisse sind die Landesjugendtage in Güstrow, zu denen Tausende junger Leute aus ganz Mecklenburg jährlich zusammenkommen, so am 19. Juni 1949. Von Grevesmühlen aus fahren wir in einer Gruppe mit einem Lastkraftwagen um 6 Uhr früh ab, um gegen 8.50 Uhr in Güstrow zu sein. Gottesdienste in Dom und Pfarrkirche mit Predigten bekannter Theologen aus ganz Deutschland, gemeinsames Singen im Garten der Superintendentur, Verkündigungsspiel auf dem Domplatz: „Glaube und Heimat“. 1950 findet wieder ein Landesjugendtag in Güstrow statt, an dem wir mit etwa 30 Jungen und Mädchen aus Grevesmühlen teilnehmen.

In Mühlen-Eichsen, einem kleinen Dorf zwischen Grevesmühlen und Schwerin erlebe ich als 14jähriger „Knabe“ in einer Gruppe Gleichaltriger einige Monate nach meiner Konfirmation vom 29.7. bis 4.8.1949 eine Freizeit unter Leitung Gerhard Luckows und seines Assistenten Hans Reinke (Dobbertiner Bruderschaft) im Pfarrhaus des seinerzeit dort amtierenden kinderreichen Pastors Hannes Lietz (später Propst in Grevesmühlen). Die Freizeitlosung heißt: „Sieger müssen bei Christus sein“, nach dem Refrain des in dieser Freizeit erlernten und immer wieder gesungenen Liedes „Heiß das Blut, das die Adern durchrauscht, kalt der Wind, der das Fahnentuch bauscht, heiß oder kalt, ja oder nein, niemals wollen wir lauwarm sein. - Fest den Blick in das Dunkel gespannt. Fest das Herz und die Nacht ist gebannt! Heiß oder kalt, ja oder nein! Schlagt dem Teufel die Türe ein! - Halber Wille ist ganzer Verzicht. Halbe Menschen gefallen Gott nicht. Heiß oder kalt, ja oder nein! Sieger müssen bei Christus sein.“ Die Lieder dieser Nachkriegs-Jugendbewegung sind oft schmissig und strotzen von kämpferischen Begriffen. Oft werden sie im Marschrhythmus gesungen. Und die Kanons! Immer und überall werden Kanons gesungen, oft mit sehr schönen seelsorgerischen Texten und herrlichen Melodien: „Und ob das Herz auch klagt, ausharr ich unverzagt, wer Gottes Pfad gewagt, trägt still sein Kreuz“, „Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen“ oder „Dona nobis pacem“. Die Lieder, das gemeinsame Singen, die Gemeinschaft bewirken mehr als alle Predigten und Vorträge. Wir schlafen auf dem Heuboden des Pfarrhauses und halten im Gemeinderaum unsere Bibelarbeiten, Singstunden und sonstigen Veranstaltungen ab. Diese Begegnung mit einem engagierten Diakon ist für mich stark prägend für meinen späteren Berufswunsch. Ein markantes Ereignis dieser Woche ist für uns Halbstarke ein besonderes Abenteuer und sollte für Luckow noch ein Nachspiel haben: Vom damaligen Bischof Niklot Beste bekommt Luckow eine offizielle disziplinarische „Zigarre“, weil er am späten Abend des 31.7.1949 in der Dämmerung mit uns ins benachbarte, einige Kilometer entfernte Dorf Cramon zieht, wo eine Mädchenfreizeitgruppe ebenfalls in der Pfarrscheune auf Heu und Stroh gerade im ersten Schlaf ruht. Mit einem schauerlichen Geheul rund um die Scheune bringen wir die jungen Damen zu mitternächtlicher Stunde nach

Luckows Aktionsplan in größte Angst und Panik. Die Mentalität der Zeit ist wohl noch stark geprägt von Verhaltensmustern der romantischen Jugendbewegung und auch noch von den rauen Sitten der gerade erst zu Ende gegangenen Epoche der Hitlerjugend mit Sinn für derlei grobe Scherze. Darauf gibt es seitens der Freizeitleitung der Mädchen eine Beschwerde bei der Landeskirchenleitung und in Folge die Zitierung Luckows zum Bischof.

Mehrere Tagestreffen der Dobbertiner Bruderschaft im Gemeindehaus der Schelfkirche in der Puschkinstraße in Schwerin vertiefen die Erlebnisse der Karwochen-Freizeiten, so am Buß- und Bettag 1949 (16. November) mit Teilnahme am Gottesdienst in der Schelfkirche, Bericht von Pastor Voß über die „Kessiner Bruderschaft“ und Teilname am Aussprachenachmittag der Schweriner Jugendkreise im Wichernhaus. - Ein zweites solches Treffen findet am 23.112.50 von 9 bis 18 Uhr statt mit Morgenwache, Bibelarbeit, Vortrag des Landesbischofs Beste über „Probleme unserer Kirche in der Gegenwart“ und Berichten von Theologiestudenten.

Vom 3. bis 8. April 1950 weile ich zum zweiten Male zusammen mit Hans Gottschalk zu einer Karwochen-Rüstzeit der Dobbertiner Bruderschaft für kirchlichen Berufsnachwuchs auf dem Michaelshof in Rostock-Gehlsdorf.


Von Oktober 1950 bis Mai 1953 lebe ich in Schwerin und durchlaufe dort eine Ausbildung bei der Deutschen Post. Ich lebe im Postlehrlingsheim.

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Unser Lehrlingsheim in Schwerin-Görries war früher einmal Dienstvilla des Fliegerhorstkommandanten und liegt abseits, ruhig und idyllisch am Ufer eines Sees. Mit einem guten Dutzend Lehrlingen wohnen wir hier zusammen mit dem Heimleiterehepaar Trulson. Fast alle Heimbewohner werden als Fernmeldemonteure („Strippenzieher“) ausgebildet. Nur Ulrich Fentzahn und ich sind „Paketheber“. Nach einigen Tagen ziehe ich mit Lothar Goeritz zusammen in ein Zimmer. Der dritte Bewohner unserer Bude ist Dieter Vierus, überzeugter FDJler und Materialist. Ich muss mich erst in die neuen Verhältnisse einleben. Die ersten Tage bei der Post sind hart für mich. In dieser ersten Zeit bin ich recht niedergeschlagen, aber bald habe ich das Tief überwunden. - Zu Beginn der Ausbildung werde ich zur Schweigepflicht vergattert: Ich habe das Postgeheimnis zu wahren und besonders darf niemandem etwas über die Zensurabteilung erzählt werden, die auch für uns Postbedienstete streng tabu ist. Alle Post kommt sofort nach der Kastenleerung vor dem Stempeln zu der in einem Seitenflügel untergebrachten von der Stasi verwalteten Zensurstelle. Wir legen die Säcke dort vor die Tür und bekommen sie irgendwann wieder zurück. - In unserem Jahrgang sind wir ungefähr 20 Lehrlinge, Jungen und Mädchen in meinem Alter. Zweimal wöchentlich haben wir im Postamt Fachunterricht und allgemeinbildende Fächer in der nahegelegenen Kaufmännischen Kreisberufsschule. Den Fachunterricht erteilt unser pädagogisch sehr befähigter Ausbildungsleiter Hansen. In Fachkunde ist die „Allgemeine Dienstanweisung“ Grundlage des Unterrichts. In „Fachgeographie“ lernen wir die Stationen der Eisenbahnstrecken ganz Deutschlands auswendig: im mecklenburgischen Bereich jede Station, im entfernteren Deutschland alle größeren Städte. In der allgemeinen Geographie werden die vorhandenen Schulkenntnisse weltweit gründlich aufgefrischt und vertieft. Die praktische Ausbildung erfolgt in unterschiedlichen Abteilungen. Zunächst bin ich in der Wertabteilung, in der Einschreiben und Wertbriefe gesondert lückenlos nachgewiesen werden, später in der Zustellung, der Briefsortierung, bei der Bahnpost und im Schalterdienst beschäftigt. Die Werktage verbringe ich in Schwerin. Morgens versorge ich mich im Lehrlingsheim selber mit Frühstück. Mittag- und Abendessen bekomme ich in der Werkküche der Post. Beim Postamt Schwerin durchlaufe ich eine durch Krankheit unterbrochene zweijährige Ausbildung.

Fast jeden Morgen fahre ich früher los, entweder per Fahrrad oder eine Station mit dem Zug, um vor der Arbeit um 7 Uhr im Dom an der „Morgenwache“, einer zehnminütigen Andacht, teilzunehmen, die wir Jugendlichen der Jungen Gemeinde umschichtig selber stehend vor dem Altar halten. Zum Abschluss singen wir immer den Choral „Erhalt uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten, es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn Du unser Gott alleine.“

Am Wochenende fahre ich in der Regel nach Grevesmühlen, wo ich sonnabends meistens am Posaunenüben teilnehme und mich ansonsten viel mit Hans Gottschalk treffe, der in Grevesmühlen die Oberschule besucht. Nachdem wir gut ein Jahr lang in Görries im Lehrlingsheim gewohnt hatten, ziehen die Fernmeldelehrlinge in ein neues Heim um und es kommen im neuen Lehrjahr nur noch Mädchen zur Gelben Post, auch zu uns beiden verbliebenen männlichen Postlehrlingen ins Lehrlingsheim.

Einige Zeit später beansprucht die sowjetische Rote Armee unser Haus in Görries und stellt uns statt dessen in der Schlossgartenallee, wo sie ein großes Areal von beschlagnahmten Villen räumt, ein Gebäude zur Verfügung. Hier wohnen wir noch schöner, weil dichter an der Stadt.

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Vor unserem Hause vorbei führt die Straßenbahnlinie zur Innenstadt. Obwohl eine Fahrt nur 20 Pfennig kostet, fahre ich bei gutem Wetter immer mit dem Fahrrad.

Während meines Aufenthaltes in Schwerin nehme ich weiterhin rege am Leben der Jungen Gemeinde teil.

Während meiner Zeit in Schwerin erlebe ich in der vollbesetzten Schelfkirche Albert Schweitzer anlässlich eines Vortrages live.

Zu dieser Zeit lese ich mit Begeisterung und großem Gewinn das uns von P.W. empfohlene Buch „Las Casas vor Karl dem V.“, in dem von dem engagierten Eintreten des sensiblen spanischen Dominikanermönches für die Rechte der indianischen Völker und gegen die Unterdrückung und Ausrottung durch die Konquistadoren berichtet wird. Auch Hans-Otto Wölbers neunteilige Reihe „Studienblätter für evangelische Jugendführung“ arbeite ich mit Interesse durch, ohne zu ahnen, dass er später mal mein Dozent sein wird. Regelmäßig beziehe und lese ich auch die Zeitschrift der Jungen Gemeinde „Die Stafette“.

Kirchentag in Berlin 1951

Mit vielen Jugendlichen aus Schwerin und einigen Freunden aus Grevesmühlen zusammen nehme ich im Juli 1951 am legendären Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin teil, der noch gesamtdeutsch über die Sektorengrenzen hinweg gefeiert wird. Es ist ein überwältigendes Ereignis.
Wir Mecklenburger übernachten in einem Zeltlager im Grunewald im Jagen 61 und fahren täglich mit der S-Bahn zu den großen Veranstaltungen in die Stadt. Berlin hat schon viel erlebt, aber so etwas noch nicht: Überall, wo größere Menschenmengen versammelt sind, wo gewartet werden muss, auf U- und S-Bahnhöfen, auf Straßen und Plätzen, werden spontan Choräle und Kanons gesungen. Der Geist und die Atmosphäre dieses ersten Berliner Kirchentages war einmalig. Am Freitag, dem 14. September 1951, notiere ich rückblickend ins Tagebuch:

„Der Kirchentag war ein einzigartiges Erlebnis. Man kann sich in einen Israeliten der Zeit Christi versetzen, der zusammen mit vielen tausend Gleichgesinnten zu Festzeiten nach Jerusalem zum Tempel pilgerte. Leider klappte die geplante Radfahrt nicht, da ich in der Woche vorher eine Panne am Rad hatte und kein Fahrradmonteur die Reparatur annahm. So fuhr ich mit dem Sonderzug der Deutschen Reichsbahn und konnte auch mein Tenorhorn mitnehmen, was ich nicht bereue. Durch den Dienst als Bläser konnte ich zwar manche Veranstaltung nicht besuchen, zu der ich sonst gerne gegangen wäre, dafür hatte ich beim Blasen in den großen Chören segensreiche Erlebnisse. Besonders schöne Erinnerungen habe ich an die Jugendkundgebung im Walter-Ulbricht-Stadion und an den Vortrag von Pastor Wilhelm Busch in einer der Messehallen am Funkturm. Von der Abschlusskundgebung hatte ich leider nicht so viel, da die Posaunenbläser in drei riesige Chöre aufgeteilt waren und mein Chor auf dem Maifeld blies, während die Kundgebung im überfüllten Olympiastadion stattfand und per Lautsprecher zu uns übertragen wurde.“

Leitbilder

Während meiner frühen Jugend sind vier hauptamtliche Kirchenmänner, alle im Alter um die 30 herum, für mich prägend: der bereits erwähnte Friedrich Franz Wellingerhof, damals gängige Kurzbezeichnung P.W., der als Landesjugendpastor für ganz Mecklenburg, aber besonders auch im Stadtbereich Schwerin segensreich wirkt. - Sein Vater war Diakon des Stephanstiftes Hannover und offenbar um 1912 herum Hausvater der Herberge zur Heimat in der Hartestraße 21 in Rostock, gleichzeitig mit dem dortigen Lesezimmer die erste Seemannsmissionsstation in Rostock.

Von herausragender Bedeutung für mich als Leitbild ist Diakon Gerhard Luckow, den ich als meinen geistlichen Vater betrachte, und der Anfang der 50er Jahre das Amt des Landesjugendwarts für Mecklenburg ausfüllt, später in Güstrow ein Lehrlingsheim übernimmt, dann in Berlin für die Innere Mission wirkt und zuletzt ein großes Heim für Behinderte in Templin leitet. In einer Patengemeinde in Ostberlin, die ich später von Soest aus betreue, wohnt auch Diakon Gerhard Luckow, den ich in Berlin mit Monica zusammen auch einmal besuche. Er arbeitet in den 60er Jahren in Ostberlin für das Diakonische Werk. Jahrelang verwalte ich für ihn ein Westgeldkonto und schicke ihm davon nach Wunsch und Bedarf Kleidung und Haushaltsgeräte für seine große Familie. Später geht Luckow als Leiter des Waldhofes, einer Behinderteneinrichtung der Diakonie, nach Templin. Zu der Zeit habe ich aber kaum noch Kontakt zu ihm. Einige Monate nach seinem Tode schreibt mir seine Witwe Helga aus Templin:

„... Es ist nun schon viele Monate her, seit wir meinen Mann auf dem Friedhof des Waldhofes begruben. Sie wissen vielleicht, dass mein Mann von 1971 bis zu seinem ersten Herzinfarkt im Jahre 1980 den Waldhof leitete, eine psychiatrische Pflege- und Fördereinrichtung mit 200 Betten. Da Sie meinen Mann kannten, können Sie sich sicher vorstellen, wie er diese Arbeit getan hat: „Entweder Ihr gebt mir Geld und Möglichkeit zu bauen oder Ihr macht das Haus zu!“ So hieß es 1971. Es waren gute und harte Jahre. Die Arbeit meines Mannes hat ihre Spuren hinterlassen. In den letzten Jahren nach seiner Invalidisierung hat er endlich das tun können, was ihm nie möglich war und ihm doch so sehr am Herzen lag: Er konnte sich um den einzelnen Heimbewohner kümmern, der zu ihm kam ......“

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Zwei Neinstedter Diakone prägen meinen Berufswunsch:

Gerhard Luckow, Landesjugendwart in Mecklenburg und Eberhard Brösel, Stadtjugendwart für Schwerin

Zwei weitere Neinstedter Diakone sind zu nennen: Eberhard Brösel, Stadtjugendwart für Schwerin, der etwa 1952 plötzlich Hals über Kopf in den Westen fliehen muss, nachdem er vier Monate lang wöchentlich im Arsenal von Stasioffizieren verhört und bedroht worden war. Er leitet in Südwestdeutschland zunächst ein Heim für Fremdenlegionsflüchtlinge und arbeitet jahrzehntelang im Schwarzwald führend in der christlichen Jugenddorfbewegung, zuletzt 24 Jahre in Altensteig, wo der Vater von 7 Kindern und Opa von 10 Enkeln jetzt seinen Ruhestand verbringt. Er wird in Schwerin als Stadtjugendwart von Bernhard Kränz abgelöst, der später als Gemeindediakon zu P.W. nach Gnoien geht und darnach eine Pfarrstelle in dem kleinen Dorf Lübsee zwischen Schönberg und Grevesmühlen übernimmt, wo ich ihn in den 60er Jahren auch mal zusammen mit meiner Frau Monica besuche.

Während meiner frühen Jugend waren in Mecklenburg vier hauptamtliche Kirchenmänner, alle im Alter um die 30 herum, für mich prägend: PW und die Neinstedter Diakone Gerhard Luckow, Eberhard Brösel und Bernhard Kränz (lebt jetzt im Ruhestand in Rehna). 

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Friedrich Franz Wellingerhof, * 18.03.1917 in Rostock, damals gängige Kurzbezeichnung P.W., wirkteals Landesjugendpastor für ganz Mecklenburg, aber besonders auch im Stadtbereich Schwerin sehr segensreich.  - Sein Vater war Diakon des Stephanstiftes Hannover und offenbar um 1912 herum Hausvater der Herberge zur Heimat in der Hartestraße 21 in Rostock, damals gleichzeitig mit dem dortigen Lesezimmer die erste Seemannsmissionsstation in Rostock. -  PW besuchte in Rostock die Schule und machte dort 1936 das Abitur.  Theologiestudium in Rostock und Tübingen. - 1939 Soldat, bis 1945 als Sanitäter an der Ostfront eingesetzt, in Lüneburg in amerikanische Kriegsgefangenschaft gekommen, nach Hannover entlassen und dort bis 1946 im Stephansstift als Ausbilder für Diakone und Leiter der Schülerarbeit (Jungenwacht) tätig, 1946 Berufung durch Landesbischof Niklot Beste zum Landesjugendwart in Mecklenburg.  PW ging von West nach Ost schwarz über die grüne Grenze von der britischen in die sowjetische Besatzungszone.  

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Friedrich Franz Wellingerhof war ein Segen für Mecklenburg.  Als gläubiger und engagierter Christ setzte er sich mit ganzer missionarischer Kraft für die Sache seines Herrn Jesus Christus ein und prägte für Jahrzehnte die Pastoren- und Mitarbeiterschaft und damit viele Gemeinden seiner lutherischen Kirche in Mecklenburg.  


Aber auch um die Demokratie in Mecklenburg hat er sich Verdienste erworben.  In den Gremien der Evangelischen Jugend übte er praktische Demokratie ein.  Der Geist der Jungen Gemeinde des Nachkriegs-Mecklenburg wirkte jahrzehntelang in den Herzen vieler junger Menschen und prägte sie für ihr Leben.  Dem totalitären Anspruch der Diktatur des Proletariats musste dieser Geist ein Dorn im Auge sein.  Dass Friedrich Franz Wellingerhof allen ihm von Seiten der Marxisten gemachten Schwierigkeiten zum Trotz wirkte, solange es ging, sei ihm noch heute gedankt! 


Vom 11. bis 16. April 1949, in der Karwoche, fand auf dem Michaelshof in Rostock-Gehlsdorf eine „Rüstzeit“ der „Dobbertiner Bruderschaft“ statt.

Der mecklenburgische Landesjugendpastor Wellingerhof hatte alle jungen Männer eingeladen, die sich mit dem Gedanken trugen, als Pastoren oder in anderen kirchlichen Berufen in den hauptamtlichen Dienst der Kirche zu treten.  In meiner damaligen pubertären Phase wollte ich Missionar werden. 

Über den Diakon des Rauhen Hauses Karl Fischer in Grevesmühlen erhielt ich auch die Einladung des mecklenburgischen Landesjugendpfarramtes in Schwerin zu einer Freizeit: Zusammen mit Hans Gottschalk, Klaus-Dieter Schröder und Joachim Albrecht aus Grevesmühlen fuhr ich einen Tag nach meiner Konfirmation am Sonntag Palmarum, dem 10. April 1949,  zu dieser Rüstzeit.  Ich war einer der jüngsten Teilnehmer.   

Aus dem gehaltvollen Programm: Morgendlicher Betkreis, tägliche „Morgenwache“ (Andacht),  jeweils von einem der älteren Teilnehmer gehalten, Bibelarbeiten über Passionstexte aus dem Johannesevangelium, Vorträge: z.B. Professor Dr. Dörner: „Glauben an Jesus Christus in der Gegenwart“, Oberkirchenrat de Boer: „Wie finde ich den Weg zu Jesus Christus?“, Landesbischof Dr. Beste: „Die Aufgaben der Kirche“, Pastor Stark, Leiter des Michaelshofes, über „die Innere Mission“ und Rundgang über den Michaelshof, oder auch über „moderne Biologie“ oder „moderne Physik“ von jeweils einem älteren Teilnehmer, vorlesen eines Passionsspiels, gemeinsames Singen, Teilnahme an der Bach’schen Matthäuspassion in der Rostocker Marienkirche, Besuch der theologischen Fakultät der Universität Rostock, tägliche Abendandacht.  Diese Woche in der Gemeinschaft bewusster junger Christen, darunter eine ganze Reihe mecklenburgischer Pastorensöhne, hat mich stark beeindruckt und geprägt.

Toitenwinkel

In der Karwoche 1951 nehme ich vom 19. bis 24. März an einer Rüstzeit in Toitenwinkel bei Rostock für Jugendliche teil, die als Diakone, Katecheten oder sonst wie als Nicht-Volltheologen hauptberuflich in den kirchlichen Dienst zu treten beabsichtigen. Auch diese Freizeit wird von Diakon Gerhard Luckow geleitet.

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Neben mir sind es 13 Teilnehmer: Erhard Bremer, *21.01.35, Rolf Bröker, *5.08., später Organist in Dornburg bei Magdeburg, Klaus Hartig, *12.35, später Pastor in Rittmannshagen, Werner Klug, Klaus Krüger, *13.01.36, später Diakon, Hartmut Lange, Spitzname: Igel, Willi Lange, *17.02.36, später Pastor in Dreveskirchen bei Wismar, Rolf Nölle, *16.01.36, Harry Salowski, später Pastor, *23.03.30, später Pfarrer in Velefanz im Brandenburgischen, Siegfried Schlowik, *7.09.36, Klaus-Dieter Schuldt, *22.02.36, später Kirchenmusiker in Rostock, Tassilo Stolz, *29.03.37, ging später zur NVA und wurde Volkspolizist in Warnemünde, Wolfgang Weidler, *20.03.36, Spitzname: Jonny.

Oben in der Mitte bin ich im karierten Hemd im Bild

Teilnehmer der Rüstzeit für an diakonischen Berufen interessierte Jugendliche in Toitenwinkel bei Rostock in der Karwoche 1951

Toitenwinkel ist zu der Zeit noch ein von Gehlsdorf etwas entfernt liegendes einsames Dorf in weiter Flur. Überseehafen und Autobahn gibt es noch nicht. An der schönen alten gotischen Dorfkirche amtiert Pastor Bahr, der mit einigen Vorträgen und Gesprächen aktiv an unserer Rüstzeit teilnimmt, so über „Das 6. Gebot“ und zum Thema „Warum lutherisch?“: sola fide: allein aus dem Glauben! - sola scriptura: allein aus der Schrift! - nur die Kirche darf sich lutherisch nennen, die sich alleine auf die Schrift stützt! - sowie über „Apologetik“ und „Mein Dienst als Pastor“. Luckow referiert zum Thema: „Mein Dienst als Diakon“: Der angehende Diakon hat drei Entscheidungen zu treffen: 1. Christus ja oder nein, 2. den bisherigen Beruf aufgeben, 3. mit der Kirche als menschlicher Institution fertig werden. Luckow erzählt uns, wie er selber zu der Entscheidung kommt, Diakon zu werden. Er war begeisterter deutscher Soldat mit patriotischem Kampfgeist für den „Endsieg“. Der Zusammenbruch Deutschlands zerstörte alle seine Ideale und Hoffnungen. In der Gefangenschaft erkrankte er lebensbedrohlich. In dieser Situation betete er und legte ein Gelöbnis ab: „Lieber Gott, wenn Du mich hier wieder lebendig herausbringst, will ich Dir lebenslang dienen!“ Als er sich später erkundigte, wie ein solches Dienen wohl möglich sei, riet man ihm, Diakon zu werden. So kam er nach Neinstedt und pflegte geistig Behinderte. Diakonie sei wörtlich übersetzt: Dienen durch den Staub, Sklavendienst. Er macht es uns an einem Beispiel klar, das er erlebt hat: In Neinstedt sei eine Toilette verstopft gewesen. Die stinkende Kloake habe darin bis zum Rand gestanden. Er sollte sie wieder gangbar machen. Sein Vorsteher, Pastor Knolle, habe von ihm verlangt, mit seinem Arm bis zum Ellenbogen da hineinzugreifen, um die Verstopfung zu beheben. Als er sich nach einigem inneren Widerstand dazu durchgerungen habe, habe er gewusst, dass er allen Versuchungen standgehalten habe, seinen Weg der Diakonie, den Dienst durch Staub und Kot, aufzugeben. Dieses Beispiel wird mich selber später in meiner eigenen Diakonenausbildung noch oft beflügeln, Versuchungen im Dienst zu widerstehen. - Weitere Themen: „Stegreifspiel“, „Geschichte der Diakonie“ an drei Tagen: 1. Biblische Grundlagen, 2. Entwicklung des Diakonenamtes in der Kirchengeschichte, 3. Diakonie in den letzten 100 Jahren“. - Wir haben Diakonenschüler vom Michaelshof zu Gast und wandern nach Gehlsdorf, um das dortige Werk der Inneren Mission zu besichtigen. Die täglichen Bibelarbeiten befassen sich mit Passionstexten des Johannes- (13, 1-17) und des Lukasevangeliums, Kapitel 23.


 

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Friedrich Franz Wellingerhofs Witwe, Elisabeth Wellingerhof, berichtet aus dieser Zeit:   

Im November 1946 kam ein neuer Landesjugendpastor nach Schwerin.  Der letzte vor ihm war mein Vater gewesen, der war aber schon 1934 von den Nazis abgesetzt worden.  Nun sollte Jugendarbeit wieder versucht werden.  Pastor Wellingerhof war aus Hannover in unsere „Ostzone“ übergesiedelt und wurde in der von Jugend gefüllten Paulskirche feierlich eingeführt.  Er schien sich auf kommende Schwierigkeiten in der Ostzone und besonders bei der Jugendarbeit einzustellen.  Diese hatten schon bei seiner Ankunft angefangen: Die Stadt hatte kein Zimmer für ihn zu vergeben  „Wozu braucht die Kirche einen Landesjugendpastor?“, hieß es.  So zog er erst einmal in unsere alte Küche, die, weil sie unbeheizbar war, der Bibelgesellschaft als Lagerraum diente.  Hier wurde einiges zusammengeräumt und auf 4 gleichmäßige Bücherstapel eine Matratze gelegt.  Ein Wasserhahn war aus Küchenzeiten noch dort, der einzige Zugang dahin war nur durch die beiden Christenlehreräume möglich.  Alles war sehr primitiv, aber das machte ihm offenbar nicht s aus, er freute sich sehr, wenn meine Mutter ihm abends manchmal heißen Tee kochte.  Als mein Vater dann eine heizbare Bleibe für ihn bei einem Gerichtssekretär fand, zog er dorthin um und freute sich, dass dieser auf Anfrage bereit war, ihm nach Feierabend einige Schreibarbeiten abzunehmen.  Er konnte nicht ahnen, was das für Schwierigkeiten bringen würde, denn als Herr I., zwei Monate später, am 24.12. vormittags zum Dienst ging, schloss man plötzlich hinter ihm ab.  Man bedrohte ihn und nötigte ihn, er solle den Landesjugendpastor bespitzeln, täte er das nicht, könne er das Weihnachtsfest im Gefängnis verbringen.  Ihm schien kein anderer Ausweg, als zu unterschreiben.  Zitternd erzählte er dies, trotz scharfen Verbots, einige Tage später meinem Mann und fragte, was er tun solle.  Beide fanden einen Kompromiss: Mein Mann diktierte ihm wöchentlich harmlose Briefe an irgendwelche Leute oder Gemeinden. Herr I. nahm diese Texte auf neuen Blaubogen mit zum Dienst.  Er wurde dafür sehr gelobt und bekam monatlich einen Zentner Briketts dafür, damals ein Vermögen, das sich beide teilten.

Mein Mann hat mir diese Geschichte erst viele, viele Jahre später erzählt und sagte dann: "Eigentlich konnte mir ja nichts besseres passieren, als meinen Spitzel zu kennen." Trotzdem musste er regelmäßig beim sowjetischen Militärkommandanten erscheinen, um über seine Arbeit zu berichten. Am liebsten wollte der ihm alle Veranstaltungen verbieten, die nicht gottesdienstliche Formen hatten. Mein Mann konnte dann an die Nazizeit erinnern und noch Gestapovorladungen aus der Zeit der Bekennenden Kirche in Rostock vorzeigen und ihn damit verunsichern. Wenn er nicht zu diesen "Vorladungen" einen Lutherrock angezogen hätte, um auf diese Weise an einen Popen zu erinnern, wäre er wohl als Mann der Kirche gar nicht ernst genommen worden.

Als ich meinen späteren Mann dann fragte, ob er keine Angst gehabt hätte, schließlich gab es noch Verbannung nach Sibirien oder andere schlimme Strafen, meinte er, das sei sicher der Fall gewesen, aber das half nichts. Freizeiten wären für ihn unverzichtbar für kirchliche Jugendarbeit, da ginge es ums Ganze.

Aber, ich denke, ich erzähle der Reihe nach, so, wie ich es erlebt habe oder wie mein Mann es mir erzählt hat.

Mein Mann war vorher 6 Jahre Soldat gewesen, davon 4 Jahre Sanitäter im tiefen Russland.  Er erzählte von endlosen Märschen bei sommerlicher Hitze und bei minus 40 Grad Kälte.  Er hatte viele Nächte in Gräben und Bunkern, die unter Beschuss standen, verbracht, war verwundet und in Todesgefahr gewesen. Er hatte es nicht fassen können, dass er sich 1945 tatsächlich gesund in Hannover wiederfand und schrieb seine Bewahrung der betenden Mutter zu.

Als der mecklenburgische Landesbischof ihm 1946 schrieb und ihn bat, die Jugendarbeit im Lande zu übernehmen, war dies für ihn der Ruf Gottes.  Er selbst war als Junge im Rostocker Schülerbibelkreis (B.K.) gewesen, hatte dort während des Theologiestudiums einen Jugendkreis geleitet, hatte nach dem Krieg ein Jahr lang die Schülerarbeit in Hannover aufgebaut und wusste, wie wichtig die kirchliche Arbeit mit und an der Jugend ist.

So kam er heimlich über die Grenze in die damalige "Ostzone", die noch geprägt war von dem Zusammenbruch und von Hunger und von plötzlichen Verhaftungen durch die sowjetische Militärbehörde.  Der kirchlichen Jugendarbeit begegnete man mit großem Misstrauen.  Ein Kommandant sagte einmal sehr böse: "Du sollst mit Jungen beten, nicht baden", als es um eine Freizeit ging.  Trotzdem wollte mein Mann wirken "solange es geht".

Die erste Unterkunft, die Schwerin ihm bieten konnte, war ein Lagerraum der Bibelgesellschaft.  Dort wurde eine Matratze auf einige Bücher gelegt und etwas frei geräumt, der Raum aber war nicht heizbar.

Mein Mann hat mir diese Geschichte erst viele, viele Jahre später erzählt und sagte dann: "Eigentlich konnte mir ja nichts besseres passieren, als meinen Spitzel zu kennen."  Trotzdem musste er regelmäßig beim sowjetischen Militärkommandanten erscheinen, um über seine Arbeit zu berichten.  Am liebsten wollte der ihm alle Veranstaltungen verbieten, die nicht gottesdienstliche Formen hatten.  Mein Mann konnte dann an die Nazizeit erinnern und noch Gestapovorladungen aus der Zeit der Bekennenden Kirche in Rostock vorzeigen und ihn damit verunsichern.  Wenn er nicht zu diesen "Vorladungen" einen Lutherrock angezogen hätte, um auf diese Weise an einen Popen zu erinnern, wäre er wohl als Mann der Kirche gar nicht ernst genommen worden.  Trotzdem machte er völlig gelassen und fröhlich weiter: "Wirken, solange noch Zeit ist."

Zunächst war der Schwerpunkt seiner Arbeit, zumindest an den Wochentagen, Schwerin.  Er bat die Pastoren dort, in den Konfirmandenstunden zum Jugendkreis einladen zu dürfen , lief anfangs treppauf, treppab, um auch in den Häusern einzuladen und hatte bald mehrere Gruppen der 12-14jährigen und auch einen größeren Kreis für ältere Jungen.  Für Mädchen gab es traditionsgemäß in jeder Gemeinde eine „Gemeindehelferin“, für die war, wie er meinte, gesorgt.  Später gab es auch für uns Mädchen die Möglichkeit, gemischte Kreise, die sogenannten „offenen Abende“, zu besuchen, bei denen für uns damals hochaktuelle Themen besprochen wurden, und die wir nie versäumen wollten. Eines Tages wurden wir zum sogenannten „Jugendforum“ eingeladen.  Dies wurde vom Kulturbund für Jugendliche aus allen Richtungen veranstaltet, sie es hieß, für FDJ-Angehörige ebenso wie für die „Junge Gemeinde“.  Wir nahmen das Angebot zunächst an und erschienen meistens sehr zahlreich.  An einem Abend gab es nach einem Vortrag, den Pastor Kleinschmidt hielt, eine gute Diskussion.  Pastor Kleinschmidt war der Schweriner Pastor, der später der SED angehörte.  Er sprach über das Thema „Ist der Mensch gut?“  Bei der Diskussion prallten sehr verschiedene Meinungen aufeinander.  Kurz vor Schluss meldete sich auch PW zu Wort und erntete daraufhin stürmischen Beifall.  Besonders wir aus der Jungen Gemeinde klatschten und trampelten und waren geradezu begeistert.  Das schien die Veranstalter sehr zu verärgern.  Anscheinend wollten sie uns durch diese Vorträge für die FDJ gewinnen.  Das wurde uns jetzt klar, und wir gingen nicht mehr hin.  Erschütternd war, dass Pastor von Jüchen, der sich als religiöser Sozialist sehr für dieses Jugendforum eingesetzt hatte, plötzlich verhaftet wurde.  Er ist später sogar nach Sibirien verschleppt worden und erst viele Jahre später als schwerkranker Mann nach Westberlin entlassen worden.  Er war Pastor an der Schelfkirche, also Vaters Kollege, und immer besonders nett und freundlich.  Manchmal schien er uns zu gut für diese sowjetisch regierte Ostzone zu sein.      PW machte offene Abende für ältere Jugendliche, Kreise für konfirmierte Jungen (Mädchen wurden in fast jeder Gemeinde von Gemeindehelferinnen des Burckhardthauses gesammelt), er übte Laienspiele ein und fasste alle Schweriner Jugendarbeit zusammen in der Monatsrüste, die an jedem 1. des Monats 19:00 Uhr stattfand.

Monatsrüste:  Einmal im Monat trafen wir uns im Dom zur sogenannten Monatsrüste. Der neue Landesjugendpastor, „PW“ nannten ihn alle, fasste in diesem Jugendgottesdienst, der immer am 1. jeden Monats um 19 Uhr im Dom stattfand, alle Jugendkreise der Stadt zusammen und 300 bis 400 konfirmierte Jungen und Mädchen kamen das meistens zusammen.  Wir standen dabei im großen Halbkreis im Hohen Chor des Domes, sangen das Monatslied, PW legte den Monatsspruch aus, am Schluss fassten sich alle an die Hand und sangen stets das gleiche Lied: „Herr, wir stehen Hand in Hand...“  Oft war dabei auch die feierliche Zeichenverleihung an die konfirmierten Jugendlichen, die mindestens ein Jahrlang der Jungen Gemeinde angehörten: Das kleine silberne Kreuz auf der Weltkugel, auf das wir alle sehr stolz waren.

Die Monatsrüste war zuende.  Wir hatten wie an jedem 1. Tag des Monats mit über 300 Jugendlichen im Halbkreis um den Altar des Schweriner Doms gestanden, uns die Hände gereicht und gesungen "Herr, wir stehen Hand in Hand...", als unsere Jugendleiterin O.A. uns 17-jährige Mädchen zusammenholte und uns erzählte: "P.W., unser Landesjugendpastor, hat zum 1. Mal ein Sommerlager für 15-17jährige Jungen geplant, er hat 65 Anmeldungen und die sowjetische Militärkommandantur hat es verboten.  Ich bitte Euch, betet für diese Freizeit, denn P.W. hält sie für so wichtig, dass er sie auf alle Fälle durchziehen will." Und wir haben gebetet - vielleicht tat ich es mehr als die anderen - ich wusste noch nicht, dass ich ein gutes Jahr später die Frau des Landesjugendpastors sein würde - und die Sache ging gut.  

Sonnabends und Sonntags fuhr er mit dem Zug in Städte und Dörfer des Landes; dort hielt er Jugendsonntage und machte durch Kinder-, Jugend- und Gemeindeveranstaltungen Mut zur regelmäßigen Arbeit mit der Jugend.

Andere merkten wohl eher als ich selbst, dass Pastor Wellingerhof ein Auge auf mich geworfen hatte.  Sie meinten es daran zu erkennen, dass er gerade mich zu weiblichen Rollen im Laienspiel aussuchte.  So sollte ich im „Apostelspiel“ ein naives Mädchen spielen, das von Räubern bedroht wird und wurde im Krippenspiel, bei dem fünfzig Jungen mitspielten, als Maria ausgewählt.  Wie gerne tat ich das, und Zeit hatte ich auch, denn ich war damals ganz zu Hause.  Eine Nachbarin hatte mich nämlich gefragt, was ich denn werden wolle, und mir dann, als ich nicht recht antworten konnte, gesagt: „Heb auf, was Gott dir vor die Tür legt, du siehst doch, dass deine Mutter dich jetzt braucht.“  Ich war zuerst betroffen, hatte das aber schließlich eingesehen und fand wirklich reichlich zu tun, half im Haushalt, machte die Treppe, den Torweg, übernahm das Heizen und vieles andere mehr.  Nebenbei sah ich mich an der Uni um und versuchte durch meine Freunde Almut, deren Vater Schulrat war, mich für ein Studium in Sport und Englisch zu bewerben.  Pastor Wellingerhof, der einmal bei solch einer Überlegung zuhörte, riet aber energisch ab: „In diesem sozialistischen Staat kann man doch kein Lehrer werden,“ meinte er sehr überzeugt.  Sagte er das schon mit Hintergedanken?  Ich weiß es nicht, wenigstens einige Tage später bat er mich, ihn bei Schubertliedern auf dem Klavier zu begleiten, er hätte diese Stücke schon früher gern gesungen und würde sich freuen, wenn ich mir die Noten einmal ansehen würde.  Manche fanden das merkwürdig, aber ich sah das nur von der musikalischen Seite her.  Als er mich dann zum Konzert einlud und wir abends alleine nach Hause gingen, ahnte ich schon ein wenig, was los sein könnte.  Trotzdem kam für mich der kurz darauf folgende Heiratsantrag völlig überraschend.  Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte und erbat mir Bedenkzeit.  Einige Tage später war ich mir völlig im Klaren.  Ich gab ihm noch am späten Abend mein Jawort, kriegte meinen ersten Kuss und duzte von nun an den Landesjugendpastor.  Der Altersunterschied von 11 Jahren war überhaupt kein Thema für mich. – Als wir 14 Tage später unsere Verlobung bekannt machten, stand Schwerin Kopf.  Viele andere Mädchen, die älter waren als ich, waren völlig überrascht und manche auch wohl enttäuscht.

Nach der nächsten Monatsrüste, die wir gemeinsam besuchten, begrüßte uns Schwester Luise, die schon ältere Gemeindeschwester der Schlossgemeinde, die dort einen großen Jugendkreis betreute.  Sie gratulierte uns zur Verlobung mit Worten, die mir lange nachgingen, und die etwa so lauteten: „Man wird sehen, Herr Pastoor (sie betonte immer die zweite Silbe und sagte Pastoor), was sie für eine Frau bekommen .  Es gibt Pfarrfrauen, die beflügeln ihren Mann, so dass er in seiner Arbeit noch besser wird, es gibt andere, die hemmen ihn, dann ist seine Arbeit nur noch halb so viel wert.  Ich hab in meinem Leben beides erlebt.  Wir wünschen uns sehr, dass wir einen so lebensfrohen begnadeten Landesjugendpastor behalten, wie bisher.  Gottes Segen ihnen beiden!“

Da ich wenig Ahnung von Haushalt und Kochen hatte, man damals auch dachte, Verlobte sollten bis zur Hochzeit nicht an einem Ort wohnen, schickten meine Eltern mich ins Pfarrhaus nach Rövershagen.  Hier lernte ich bei der alten Frau Heidenreich Haus- und Gartenarbeiten, Kochen, Backen und Einwecken auf „schlicht um schlicht“-Basis, d.h. ich brauchte fürs Lernen nicht zu bezahlen, kriegte aber außer Verpflegung kein Geld.  Ich kochte, jätete Unkraut, legte Gartenbeete an und freute mich auf die Briefe meines Verlobten.  Hier gingen mir auch die Worte der Schwester Luise wieder durch den Kopf, und je länger ich meinen Verlobten durch die Briefe kennen lernte, um so mehr nahm ich mir vor, dass ich meinen späteren Mann niemals in seiner Arbeit hemmen wollte.  Die Jugendarbeit lag mir genau wie ihm am Herzen, und so lange er die Gelegenheit hatte, für Gottes Sache zu wirken, sollte das auch für mich die Hauptsache bleiben.  Leider verpasste ich durch meinen Aufenthalt in Rövershagen das „große Spiel vom Antichristen“, das mein Verlobter zur 750-Jahr-Feier des Schweriner Domes eingeübt hatte und auf dem Domhof aufführte.  Das Spiel musste wegen der vielen Zuschauer mehrere Male gespielt werden und hat viel Staub aufgewirbelt, was bei dem „durchsichtigen“ Titel verständlich ist.

Ich muss mich fast wundern, dass er bei aller Beanspruchung einen Termin für unsere Hochzeit fand, die unter großer Beteiligung der Jugend in der Schelfkirche stattfand.  Zum Polterabend hatten wir außer der Familie einige Freunde und Freundinnen eingeladen, die für uns tolle lustige Sachen vorführten.  Im Laufe des Abends kamen dann ganze Jugendkreise vor das Haus mit Sprechchören wie: „Mann, sei helle, bleib Junggeselle!“ oder „Heirate spät, dann dauert es nicht so lange“, sie polterten mit Unmengen gesammelter Flaschen, die sie bei der Brauerei „besorgt“ hatten, und warteten dann so lange, bis wir ihnen Kekse oder Bonbons aus dem Fenster zuwarfen.  Wir hatten nachher reichlich zu tun, um alles wegzufegen.  Die Hochzeit war dann besonders schön.  Meine Eltern hatten alles ganz wunderbar im Konfirmandensaal vorbereitet.  Mein langes weißes Hochzeitskleid hatten schon meine Schwestern Ruth und Ilse getragen und war von unserer Hausschneiderin für mich verkleinert und sehr hübsch geworden.  Wir zogen im langen Hochzeitszug durch ein Spalier vieler Leute in die Kirche hinüber.  Die Kirche war proppevoll, viele Jugendkreise sangen kleine Gratulationslieder oder Kanons, mein Vater traute uns, es war richtig bewegend.  Nachmittags und abends wurde gefeiert, gesungen und gespielt, ich war sehr glücklich.  Nach einer zehntägigen Hochzeitsreise zu Schwiegervater und Schwägerin in Graal Müritz, bat mich mein lieber Mann, doch kurzfristig mit als Köchin zu einer Freizeit in Dobbertin zu fahren.   

Zehn Tage danach fuhr ich als Köchin zu einer Freizeit mit.  Ich hatte zwar keine Ahnung, wie man und wie viel man für 40 Jungen kocht, aber ich fand gute Beratung und vor allem Kartoffeln und Gemüse im Pfarrhaus.  Die Jungen halfen beim Schälen und Putzen, es machte Spaß.  Dies war eine besondere Rüstzeit.  Es waren hierzu konfirmierte Jungen aus ganz Mecklenburg eingeladen, die sich mit dem Gedanken trugen, in den kirchlichen Dienst zu treten.  Sie kamen zweimal im Jahr, meist in Dobbertin, zusammen und waren später unter dem Namen "Dobbertiner Bruderschaft" bekannt.  Aus diesem Kreis ging fast eine ganze Pastorengeneration in Mecklenburg hervor.

Die zweite Freizeit, die ich kennen lernte und die mich sehr beeindruckte, war ein Zeltlager der 12-14 jährigen Jungen im Ostseebad Graal-Müritz.  "Die Kreuzfahrer", so hieß diese Elitegruppe, hatten mich für einen Tag dorthin eingeladen.  Ich fand die 35 Jungen mit meinem Mann 5 km vom Ort entfernt in den Dünen, am Rande des Moores.  Die Zelte waren einfach in den Sand gebaut, da sparte man Luftmatratzen und Gummiboden (beides gab es noch nicht). Kartoffeln kochten sie mit dem Salzwasser der Ostsee, Kaffee mit Moorwasser, das durch ein Tuch gegossen wurde.

Bibelarbeit, der wichtigste Teil jeder Freizeit, fand hier im Dünensand statt. Nachmittags spielten wir und machten Olympiade am und im Wasser.

Die Jungs hatten sich mir vorgestellt als "Mose" (er hatte keine Schuhe zum Gottesdienst angezogen und sich dabei auf Mose berufen), "Kluten", er mochte die Kluten so gern in der morgendlichen Trockenmilchsuppe, "Obadja", er sagte gern das Wetter voraus, da es nur selten stimmte, war er nur einer der kleinen Propheten.  Einer wurde gerade ausgelacht, er hatte den Einladezettel zur Freizeit gut gelesen und Schuhputzzeug mitgebracht, war aber barfuß angereist.

Abends, als durch die Nähe des Moores die Mücken unerträglich wurden, räucherten sie die Zelte kurz aus mit schwelenden Grassoden. Es war eine tolle Stimmung hier.  Ich wäre gern geblieben, aber ich hatte andere Verpflichtungen und die Jungen brauchten keine Köchin.  Sie bereiteten ihr Mittag auf einem selbstgebauten Herd (vier Ziegelsteine), den sie mit Kiefernzapfen, die man im Moor reichlich fand, heizten.

Gern erinnere ich mich an eine Abiturientenrüste.  Hier schliefen 15 Jungen und 14 Mädchen in je einem Raum, in dem Stroh auf den Boden geschüttet und gleichmäßig verteilt war.  In der Mitte blieb ein Gang.  Die Morgenandachten gestalteten sie selber, bei der Bibelarbeit waren rege Diskussionen.  Als ein damals bekannter Künstler, den mein Mann für einen Tag eingeladen hatte, Mut zu eigenen Versuchen auf verschiedenen Gebieten der Kunst gemacht hatte, entstanden durch einige Schüler supermoderne Kunstwerke, die sehr witzig und geistreich auf der "Gemäldeausstellung" vorgeführt wurden.  Andere dachten sich Sketche aus, von denen mir einer sehr im Gedächtnis blieb: Ein Schüler stellte einen völlig unbeholfenen Vikar dar, andere waren würdige Oberkirchenräte, die nach der theologischen Prüfung völlig verzweifelt waren: Was sollen wir mit dem nur machen, den kann man doch keiner Gemeinde zumuten.  Bis einer der hohen Herren eine Idee hat: "Wir machen ihn zum Landesjugendpastor, dafür reichts immer noch."

Kurz vor der Hochzeit hatten wir eine Wohnung zugewiesen bekommen: Zwei Mansardenzimmer mit Küchenbenutzung parterre.  Wir waren glücklich.  Es machte uns nichts aus, dass unser kleines Schlafzimmer, bestehend aus zwei Couchen, einem Schrank und einer Kommode, von 8:00 bis 12:00 Uhr auch der Sekretärin als Büro diente.  Da wurde die Waschschüssel auf den Schrank gestellt und mit der Schreibmaschine vertauscht.  So einfach war das.

Als 1950 unser Sohn geboren wurde, mein Mann war natürlich gerade auf einer Freizeit, bekamen wir eine tolle Dreizimmerwohnung mit eigener Küche und eigenem Bad.  Die eigene Küche war besonders wichtig, denn die Hauptmieterin der vorigen hatte mir das Windelkochen verboten.  Hier hatten wir eine wunderschöne Zeit.  

Die Angst um die Weiterführung der Jugendarbeit ließ uns zwar nie ganz los.  Inzwischen war auch eine Leiterin für die Mädchenarbeit im Lande tätig, Elisabeth Frahm, und zwei Jugenddiakone aus Neinstedt für die Jungen, Eberhard Brösel und Gerhard Luckow.  Sie wohnten zum Teil mit im Haus, waren alle viel unterwegs, machten im Lande Jugendkreise, Elternveranstaltungen, Wochenendtreffen, Kreisjugendtage oder Freizeiten, und wenn sie einmal nicht reisten, konnten sie sich im Haus nach einer gemeinsamen Andacht abstimmen und ihre Reisen auswerten.  Sie reisten zu Anfang mit Zug und zu Fuß, dann abwechselnd mit dem „blauen Wunder“, einem Fahrrad, das die schwedische Kirche der Jugendarbeit geschenkt hatte, und das wegen seiner hellblauen Farbe damals Aufsehen erregte.  Später bekamen sie auch ein Motorrad, das aber auf den schmierigen Landwegen und bei winterlicher Kälte zum Problem wurde.

Alle waren viel unterwegs, machten Jugendtreffen, Gemeinde- und Elternabende und natürlich Freizeiten.

Mein Mann legte dabei besonderen Wert auf die 12 - 14jährigen.  "In diesem Alter werden die Weichen für's Leben gestellt", sagte er.  Als in Schwerin die Jungscharkreise zu groß wurde, hielt er wöchentlich einen Vorbereitungskreis mit 16 - 18jährigen Jungen, die dann zu zweit einen Jungscharkreis leiteten.

Um auch im Lande das Interesse für diese Arbeit mit dieser Altersgruppe zu wecken, nahm er bei einem Schweriner Wochenendtreffen Dias auf, Bilder von lustigen Szenen, Bibelarbeit und Singen.  Er gewann einen jungen Mann, der mit dem Fahrrad diese Diaserie auf den Dörfern und in Städten den Konfirmanden und Jugendlichen zeigte und dabei zu Freizeiten einlud.  Im Jahr darauf konnten wir uns nicht retten vor Anmeldungen.  So mussten Mitarbeiter gewonnen und geschult werden (wie oft lese ich im Tagebuch von damals: "Herr, bitte schicke uns Mitarbeiter.") und Pastoren, die ihre Konfirmandensäle für Jugendfreizeiten oder Wochenenden zur Verfügung stellten.  

Wenn ich heute an diese Zeit denke, fällt mir auf, dass besonders viele Laienspiele aufgeführt wurden, die Schicksale von Märtyrern zum Thema hatten.  So das Schauspiel „Glaube und Heimat“ auf dem ersten Landesjugendtag in Güstrow, das die Vertreibung der Salzburger Emigranten zum Thema hatte, oder das „Kartoffelspiel“, in dem ein gefangener Christ sich sein eigenes Grab schaufeln musste, oder das sehr eindrückliche Spiel „Die Märtyrer von Lyon“, in dem PW im Schweriner Wichernsaal vier Tische im Hochformat gegeneinander auf eine große Tischfläche gestellt hatte, so dass vier Gefängniszellen entstanden, in denen vier zum Tode verurteilte Christen saßen und nacheinander den Choral anstimmten: „Wenn wir in höchsten Nöten sein und wissen nicht mehr aus noch ein...“  Wenn wir heute im Gottesdienst dies Lied singen, muss ich immer an dies Spiel denken.  Andererseits machten auch die Laienspiele von Ullrich Kabitz von sich reden: „Trossbuben“ und „Friedensstraße 8“.  Beide Spiele behandelten Probleme der Zeit.  So handelten die „Trossbuben“ von elternlosen verkommenen Jungs nach dem 30jährigen Krieg, die nur durch die Liebe eines älteren Mannes wieder zu Menschen wurden.  Die Streitigkeiten in dem Spiel „Friedensstraße 8“ waren so aktuell, weil es in den engen Wohnungen in Schwerin viele Probleme zwischen den einquartierten Flüchtlingsfamilien und den Einheimischen gab.  Bei der Aufführung der Spiele war der Wichernsaal jedes Mal so voll, dass sie sehr oft wiederholt werden mussten.

Die Heime, die nach und nach entstanden, (die Beschaffung der Bauplätze, der Materialien und des Geldes dazu wäre ein eigenes langes Kapitel) waren mehr "Barackstil" als Barock, aber es war Leben da, tägliche Beschäftigung mit der Bibel und ausgelassene Freude.

Uns alle verband das Zeichen der Jungen Gemeinde, das Kreuz auf der Weltkugel, das allen Jugendlichen, die ein Jahr zur "Jungen Gemeinde" gehörten, verliehen wurde.  Uns verbanden die Lieder, die durch alle Kreise gingen, wie: "Es geht ein Wind zur Heide und Sturm verheißt die Nacht, Gott weiß, was uns im Leide so stark und freudig macht."  Oder das Lied von Rudolf Alexander Schröder: "Es mag sein, dass alles fällt. Dass die Burgen dieser Welt um dich her in Trümmer brechen: Halte Du den Glauben fest, dass Dich Gott nicht fallen lässt, er hält sein Versprechen..."

Unvergesslich sind wohl für uns alle die Landesjugendtage mit mehreren tausend Jugendlichen in Güstrow, an denen bis zu 6.000 Jugendliche teilnahmen. 

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Die Vorbereitungen dazu begannen schon immer sehr rechtzeitig und hielten uns lange vorher in Atem.  So kamen die Kreisjugendpastoren vorher öfter einen ganzen Tag bei uns zusammen, besprachen und organisierten, aßen und lachten und planten bei uns.  Die Redner, die oft aus dem Westen kamen, wohnten meistens bei uns, denn mit Hotels war es damals noch schwierig.  Sie ließen sich von unserer Arbeit im Osten berichten und zeigten schon durch ihr Kommen, dass wir im Osten nicht allein standen.  Diese Prediger und Redner auf den Landesjugendtagen, die wir aus dem Westen gewonnen hatten, erzählten oft von ihren aufregenden Erlebnissen, die sie an der Grenze hatten, von den oft stundenlangen Verhören und Gepäckkontrollen.  So kam Otto von Stockhausen, Landesjugendpastor von Schleswig-Holstein, einmal 5 Minuten vor 10 Uhr im Dom an, wo er einen Jugendgottesdienst halten sollte, nachdem er an der Grenze aufgehalten worden war.  Wir waren natürlich in heller Aufregung gewesen, wurden aber voll entschädigt durch seine eindrückliche Predigt. – Natürlich waren gerade die Großveranstaltungen der evangelischen Jugend ein besonderes Ärgernis für den atheistischen sozialistischen DDR-Staat, aber auch die Freizeiten waren ihnen immer ein Dorn im Auge.  

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Junge Gemeinde Grevesmühlen - Teilnehmer am Landesjugendtag in Güstrow  1950


Unvergesslich sind auch die Mitarbeiterrüsten, die Laienspiele, die sehr wichtig waren, weil es noch kein Fernsehen gab, und die lustigen Lieder und Stücke und die Verkleidungen dazu, die z. T. noch heute ihre Runde im Lande machen.

Eines Tages merkten wir, dass die Post kontrolliert wurde; es kam nämlich tagelang kein Brief und dann plötzlich eine riesige Menge an einem Tag.  Wir stellten auch fest, dass die Briefe am Umschlag festgeklebt waren und der Text zum Teil verwischt war.  Es ging zwar schon länger der Spruch aus Goethes Faust bei uns um: „Ist der Ru erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“, aber so auffallend war das Misstrauen des Staates noch nicht gewesen.  Nun sahen wir uns genötigt, bei allem Schriftverkehr noch vorsichtiger zu sein.  Trotzdem musste die Jugendarbeit weitergehen.  „Wirken, so lange noch Zeit ist“, pflegte PW zu sagen.

Bisher war es mit den Freizeiten ja ganz gut gegangen, aber spätestens im Sommer 1952, zum Teil auch schon vorher, fingen die Schikanen an.  Plötzlich wurden viele Freizeiten einfach vor Ort verboten.  Natürlich wollten die Jugendleiter sich das zunächst nicht gefallen lassen.  Sie wiesen darauf hin, dass die Jugendlichen zum Teil von weit her angereist waren und sehrten sich, indem sie sich auf die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit oder auf bestimmte Verordnungen beriefen.  Manchmal gelang es ihnen, die Herren zu verunsichern und damit einige Freizeiten zu retten, aber oft ging es ihnen wie uns bei einer Schülerinnenfreizeit, die wir in Hohenviecheln leiteten.  Schlimm wurde es im Sommer 1952.  Viele Freizeiten wurden verboten, andere trotz Angst vor Verhaftungen durchgezogen.  Ich erinnere mich noch sehr an eine Schülerinnenrüste, die mein Mann und ich gemeinsam leiteten.  Plötzlich erschien da eine Delegation, sah sich in der Scheune, in der wir unser Nachtlager aufgeschlagen hatten, um und löste kurzerhand die Freizeit wegen hygienischer Mängel auf.  Während mein Mann noch mit den Leuten verhandelte, versuchte ich den Mädchen etwas vorzulesen.  Haben sie gemerkt, wie sehr mir die Hände zitterten?  Wir haben dann alles Gepäck auf ein Gefährt geladen und sind zu Fuß in ein anderes Dorf, das in einem anderen Bezirk lag, gezogen und haben dort noch wunderschöne Tage gehabt.  Natürlich war dies ein glücklicher Umstand und nicht immer möglich.

Viel schlimmer wurde es, wenn Jugendliche nach der Freizeit aus der Schulklasse geholt wurden und Rechenschaft geben sollten, was sie auf einer „staatsfeindlichen“ Veranstaltung zu suchen hätten.  Dies waren bisher nicht gehörte Töne, kam aber immer häufiger vor, besonders im Jahr 1953.

Das Jahr begann, wie schon seit mehreren Jahren, mit der großen Mitarbeitertagung in Schwerin.  Wir hatten über 300 Anmeldungen, es waren genug Privatquartiere durch die Schweriner angeboten worden.  Alle freuten sich auf die gemeinsamen Tage.  Schon am Bahnhof aber begann die massive Behinderung.  An jedem Ausgang stand ein Volkspolizist mit Maschinenpistole; wenn sie ein Zeichen der Jungen Gemeinde am Rockaufschlag eines Reisenden sahen, bedrohten sie denjenigen, nahmen ihm den Ausweis ab und schickten ihn nach Hause.  Wenn nicht einige dabei gewesen wären, die als kirchliche Mitarbeiter nicht erkannt waren, und gleich auf die Bahnsteige liefen und den anderen rieten, die Zeichen abzunehmen, hätten wir wohl kaum Leute zur Tagung gehabt.  So aber waren es noch fast 300 Leute.

Pastor Johannes Busch aus Essen sagte bei der Begrüßung: "Haben wir nicht einen mächtigen Herrn? Seine Gegner haben solche Angst vor ihm, dass sie meinen, sie müssen mit Waffen gegen ihn vorgehen."  Zunächst aber durfte er gar nicht sprechen.  Die Tagung war verboten worden.

Was nun?  Sollten 300 Leute umsonst aus ganz Mecklenburg und woanders her nach Schwerin gekommen sein?  Ein Gottesdienst konnte nicht verhindert werden.  So verlegte mein Mann die Begrüßungsveranstaltung in die Schelfkirche.  Pastor Busch zog einen Talar an und hielt seine Rede wie vorgesehen als Predigt.  Inzwischen verhandelten mein Mann und zwei Mitarbeiter mit den staatlichen Stellen.  Sie setzten es nach schwierigen Verhandlungen durch, dass die Tagung stattfinden durfte, aber es waren die ganze Zeit hindurch Mitarbeiter der Stasi dabei, die sich mit Gewalt Eintritt verschafft hatten.  Unser Mitarbeiter, Diakon Brösel, der am Vormittag beim Einlass der angemeldeten Mitarbeiter im Wichernsaal einen angeblichen „Theologiestudenten“ als nicht zu uns gehörig entdeckt und zurückgewiesen hatte, wurde nach der Tagung zur Polizeidirektion ins Arsenal bestellt und musste dauernd Verhöre wegen angeblicher Spionage über sich ergehen lassen und sollte schließlich Spitzeldienste leisten.  Der Oberkirchenrat konnte ihm daraufhin nur raten, die DDR schnellstens zu verlassen.  Herr Brösel folgte diesem Rat mit sehr schlechtem Gewissen und floh mit seiner Familie bei Nacht und Nebel über Berlin in den Westen.  Das Schlimmste aber war, dass zwei unserer Mitarbeiter, die Katechetin Gretel Wegener und Diakon Büttner, auf dem Weg nach Schwerin nicht nur zurückgeschickt, sondern zu Hause verhaftet wurden.  Sie haben beide trotz aller Beschwerden und Eingaben des Oberkirchenrats mehrere Jahre im Gefängnis Schlimmes durchmachen müssen.

Von nun an wurde es gefährlich, zur "Jungen Gemeinde" zu gehören.  Täglich standen Artikel in den Zeitungen, besonders in der FDJ-Zeitung "Junge Welt", die über angebliche Spionagedienste von Gliedern der Jungen Gemeinde berichteten.  Es wurde immer wieder behauptet, "Junge Gemeinde" hätte mit Kirche gar nichts zu tun, es wäre eine gefährliche Spionageorganisation, vom Westen gesteuert und unterstützt.  Es wurde plötzlich gefährlich, das Zeichen des Kugelkreuzes zu tragen, in der Schule wurde es offiziell verboten.  Anfang April wurden alle Oberschüler der Stadt ohne Angabe eines Grundes nachmittags auf den Schweriner Markt bestellt.  Dort hielt der Direktor der Schule eine Rede, beschuldigte alle Glieder der "Jungen Gemeinde" der Spion

und forderte alle Schüler auf, die "Machenschaften dieser Organisation" zu verurteilen, indem sie die Hand gegen sie erheben.  Ein Junge der 12. Klasse hatte das Zeichen angesteckt und hob natürlich nicht die Hand, da wollten Mitschüler es ihm abnehmen.  Er aber hielt es mit aller Gewalt fest, bis ihn die Leute zur Polizei schleppten.  Es hat viele Kämpfe gekostet, ihn wieder frei zu kriegen.

Einige Tage darauf waren die Teilnehmer des Laienspielkreises in der Paulskirche versammelt, um ein eingeübtes Passionsspiel der Gemeinde vorzutragen, als ein Teil der Oberschüler, der, der nachmittags Unterricht hatte (das wechselte jede Woche), kurz vor Beginn des Spiels ihren Mitspielern mitteilten, dass sie ganz plötzlich aus der Schule geflogen seien.  Grund: Spionageorganisation "Junge Gemeinde".

Das war ein Schlag!  Manche hatten gerade das schriftliche Abitur fertig.  Und nun - wer wird morgen früh dran sein und die Schule verlassen müssen? - Doch die Jungen spielten trotzdem.  Es hat wohl selten ein Laienspiel die Gemeinde so berührt wie dies, waren die Jungen dem leidenden Herrn doch so nahe.

Aber was sollte werden?  Wir merkten bald, dass dies nicht nur in Schwerin passierte, sondern die Agentenbeschuldigung der Jungen Gemeinde war DDR-weit.  Konnten wir unsere Arbeit weitermachen - Freizeiten - Jugendkreise - Jugendtage?  War es nicht zu gefährlich?  Oft waren wir ratlos.

Und dann - wer konnte es fassen - kam der 10. Juni 1953; ich weiß es noch wie heute: Ich saß mit Freunden zusammen, wir hatten seit Tagen kein Radio gehört, als mein Mann in die Tür kam, mit dem „Neuen Deutschland“ in der Hand, der umfangreichen SED-Zeitung, die wir sonst nie lasen, die Zeitung aufschlug und vorlas: "Neuer Kurs der Partei“ – und las dann weiter: "Allen Jugendlichen der "Jungen Gemeinde" ist Unrecht geschehen, sie sind sofort wieder in den Schulen aufzunehmen, die Abiturienten sind nachzuprüfen." Konnte das möglich sein?  Es war nicht zu fassen und und fielen uns vor Freude um den Hals. – Was war geschehen?  Ein Wunder war geschehen, ein großes Aufatmen begann.  Wir verfolgten die Nachrichten in der Zeitung weiter und stellten fest, nicht nur für uns kirchliche Leute gab es neue Bestimmungen, auch für andere Staatsbürger wurde „der neue Kurs der Partei“ ausgerufen, besonders für Geschäftsleute sowie für Haus- und Hofbesitzer sollt es Erleichterungen geben.  War ein Wunder geschehen?  Zunächst schien es so.  Es begann ein großes Aufatmen.  Aber schon acht Tage später, am 17. Juni 1953, zeigte sich, das vieles von diesem „Neuen Kurs“ nur Taktik war, denn als die Arbeiter in Berlin dachten, der neue Kurs würde auch ihnen erlauben, zu streiken, wurde der Streik mit sowjetischen Panzern als eine „vom Westen gesteuerte Provokation“ gewaltsam beendet.  Viele der streikenden mutigen Arbeiter wurden mehrere Jahre hinter Gitter gesetzt. -  Trotzdem war es für unsere Jugendlichen wunderbar, dass sie wieder zur Schule durften, und dass die Abiturienten, wenn auch unter großen Mühen, versuchen durften, ihr Abitur nachzumachen.

Es war dann eine wunderbare Sache, dass der ganze Laienspielkreis, der noch als solcher regelmäßig zusammenkam, zum Hamburger Kirchentag eingeladen wurde.  Die Jungen haben dort eine Sprechmotette dargeboten und den Kirchentagsbesuchern gesagt: "Gott erhört Gebet, wir haben es erlebt.  Er gibt uns Kraft um des Glaubens willen Anfechtung und Druck zu ertragen und doch getrost zu bleiben."

Für uns folgten noch drei Jahre in der mecklenburgischen Jugendarbeit. Äußerlich wurde vieles einfacher: Wir konnten ein Büro im Keller ausbauen, mein Mann bekam ein Auto, die Heime wurden mit Betten ausgestattet, die Zelte mit Luftmatratzen, aber die erste Zeit bleibt unvergessen.

Inzwischen war mein Mann zehn Jahre Landesjugendpastor gewesen und meinte, da müsse jetzt ein Jüngerer ran.  Er teilte dies dem Oberkirchenrat mit und auf seine Anfrage, wo für ihn eine Gemeinde frei sei, wurden ihm Sülze, Dargun und Gnoien genannt.  Wir waren zunächst nicht gerade begeistert, denn alle drei Kleinstädte waren ziemlich weit weg von unsrem geliebten Schwerin.  Nachdem wir dann aber die Gemeinden abgefahren waren, entschieden wir uns sehr schnell für Gnoien.  Die Stadt gefiel uns, klein, aber ein Zentrum für viele umliegende Dörfer.  Die Kirche stand wie eine Glucke inmitten der Häuser.  Die Leute würden also keine weiten Wege zur Kirche haben.  Mit entscheidend war auch, dass der Vorgänger fünfzig Jahre in dieser Gemeinde gewesen war und vieles eingeschlafen schien.  Es reizte uns, in der Gemeinde altes zu beleben und neues zu versuchen.  So sagten wir zu und entschieden uns für Gnoien.  Im Herbst sollte es losgehen.  Wir alle waren schon sehr gespannt.

Es war ein freundlicher Empfang, den die Gnoiener uns bereiteten.  Gnoien war eine sogenannte Ackerbürgerstadt von 5.000 Seelen, Zentrum für viele umliegende Dörfer.  Es gab hier noch keine Kanalisation, d.h. die Abwässer der Wohnungen und er Stallungen flossen am Rande der Bürgersteige auf der Straße ab.  Das war besonders schwierig, wenn Frostwetter war oder wenn geschlachtet wurde und auch Blut und Schlachtabwässer auf die Straße flossen.  Man kann sich kaum vorstellen, wie die Straßen dann aussahen, vom Geruch ganz zu schweigen.  Aber schon am Sonntag beim Einführungsgottesdienst in der vollen Kirche waren wir versöhnt, wir merkten, hier waren wir willkommen.

Zuerst lud mein Mann die 12 bis 14jährigen Jungen ein und begeisterte sie mit Spiel und mit biblischer Geschichte, erst dann fing er mit der Konfirmandenstunde für Jungen und Mächen an und hatte bald große Scharen.  Schon nach kurzer Zeit meldeten sich auch die größeren Jugendlichen und meinten, in Gnoien sei nichts los, ob sie nicht auch kommen könnten.

 

Es war klar, dass es den Stadtvätern nach einiger Zeit nicht verborgen blieb, dass im Gnoiener Pfarrhaus und in der Kirche immer etwas los war.  Es war auch klar, dass ihnen das nicht gefiel, denn wir hatten ja den atheistischen sozialistischen Staat, der nach der Devise von Karl Marx herrschte: „Religion ist Opium fürs Volk“.  Die Verfassung der DDR sollte zwar Religionsfreiheit garantieren, aber überall im Lande versuchte man, diese zu umgehen.  Sogab es dann bald Schwierigkeiten und Schikanen mit der Christenlehre.  Christlichen Schüler wurden behindert und bedroht.  Schlimm war auch die Zeit, als die Werbung für die Jugendweihe mit den bekannten Nötigungen begann.

Alle diese Auseinandersetzungen gingen nicht spurlos an meinem Mann vorüber.  Die ersten gesundheitlichen Probleme hatte er schon zwei Jahre nach unserer Übersiedlung nach Gnoien.  Es wurde ein kleiner Herzfehler festgestellt.  Sein Hauptproblem sei der Stress, er nähme sich zu viel vor.

Ab Herbst 1956 wirkte PW also sieben Jahre lang als Gemeindepastor in der Kleinstadt Gnoien.

Eines Tages erreichte uns ein Brief von dem uns bekannten Pastor Runge aus Schwerin.  Er teilte uns mit, dass er in den Ruhestand gehen wolle und sich keinen anderen Nachfolger für die Paulskirche vorstellen könne, als PW.  „Bitte, bitte, kommen Sie“, war der Schluss des Briefes.  Wir haben lange überlegt und alles Für und Wider abgewogen, und wir kamen zu dem Schluss: Ja, wir machen es, wir sagen zu.  Wir waren sehr gerne in Gnoien, aber es gab mehrere Gründe für einen Wechsel nach Schwerin.  Ende Februar 1963 verließen wir Gnoien schweren Herzens.  Unsere neue Heimat sollte jetzt der Packhof und die Paulsgemeinde in Schwerin werden.

Anschließend 10 Jahre lang als Pastor an St.Paul in Schwerin, zuletzt 10 Jahre lang als Landessuperintendent des Kirchenkreises Schwerin (Nachfolger von Friedrich Wilhelm Gasse).

Eines aber möchte ich noch erzählen: Im Jahre 1985, also dreißig Jahre später, kurz vor seinem plötzlichem Tod, hat mein Mann noch Mädchen und Jungen der 5. Klasse, die keine Christenlehre hatten, eingeladen zu "biblischer Geschichte und spannender Spielrunde". Er hat die Stunde nicht mehr halten können, aber es macht deutlich, ihm war bis zuletzt das wichtigste Anliegen, die biblische Botschaft jungen Christen weiterzusagen.

Am 7.09.1985 verstarb PW plötzlich und unerwartet im Alter von 68 Jahren an einem Herzinfarkt in Schwerin.

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Zwei Neinstedter Diakone, die Friedrich Franz Wellingerhof nach Schwerin geholt hatte, prägen meinen Berufswunsch:

Gerhard Luckow, Landesjugendwart in Mecklenburg und Eberhard Brösel, Stadtjugendwart für Schwerin


 


go west

Es ist Mitte Mai 1953. Ende Juni soll die Lehrabschlussprüfung bei der Post stattfinden. Da kommt ein neues, nicht eingeplantes Hindernis: Der Kirchenkampf spitzt sich zu. Die evangelische Jugend innerhalb der DDR wird vom atheistischen Staat als Feind betrachtet und soll ausgeschaltet werden. Unsere Treffen, die stark bibelzentriert stattfinden, werden von Stasileuten besucht und beschattet. Man will uns mürbe machen.

In der FDJ-Zeitung „Junge Welt“, aber auch in der „Ostsee-Zeitung“ im Bezirk Rostock erscheinen Anfang Mai 1953 fast täglich Hetzartikel gegen die Junge Gemeinde, gegen Pastoren und Hausväter diakonischer Einrichtungen. In Nr. 106 der „Ostsee-Zeitung“ vom 7. Mai 1953 hetzt man gegen den Grevesmühlener Pastor Lietz. In dem Zeitungsartikel wird die Junge Gemeinde als „Spionageorganisation“ und „faschistische Mordorganisation“ bezeichnet. Auf derselben Seite dieser Zeitung heißt es unter der Überschrift:

„Jugendliche wollen sich nicht missbrauchen lassen:

Grevesmühlen. Immer mehr erkennen die jungen Menschen, dass sie in der Spionageorganisation „Junge Gemeinde“ nichts zu suchen haben. So erklärt uns die Oberschülerin Erika Beier: „Ich habe in der „Jungen Welt“ gelesen und erkläre hiermit, dass ich aus der „Jungen Gemeinde“ austrete. Die Jugendfreundin Christa Hecht bemerkt: „Ich bin seit 1952 in der „Jungen Gemeinde“ gewesen. Nachdem ich ihre schändliche Arbeit zur Kenntnis genommen habe, erkläre ich hiermit meinen Austritt aus der „Jungen Gemeinde“. Ähnlich äußerten sich ...“

Und so geht es weiter.

Solche erpressten Abwendungsbekenntnisse erscheinen fast täglich in den DDR-Zeitungen. Auf dem flachen Lande und in den kleineren Städten werden zuerst die christlichen Schüler aus den Oberschulen verwiesen, soweit sie nicht bereit sind, sich öffentlich von der Kirche loszusagen. Mein Freund Hans Gottschalk ist bereits kurz vor dem Abitur aus der Oberschule entlassen worden. Noch hält sich die Betriebsleitung bei der Deutschen Post in Schwerin zurück, doch bald wächst der Druck auf sie, und unseren Ausbildern bleibt keine Wahl: Man muss etwas gegen uns unternehmen. Mehrere Kolleginnen und ich, von denen bekannt ist, dass wir uns zur Jungen Gemeinde halten, werden am 13. Mai in Anwesenheit der Ausbilder Hansen, Gerth und Meltz und des Lehrlingsheimleiters Trulson zu einer Besprechung in den Kulturraum des Postamtes zusammengerufen und aufgefordert, eine Resolution zu unterschreiben, in der wir die Junge Gemeinde als „Tarnorganisation der westlichen Imperialisten“ erkennen und uns verpflichten, „deren Machenschaften zu verabscheuen und zu verurteilen“. Solche „Resolutionen“ aus Schulen und Betrieben findet man ja zur Zeit fast täglich in den Zeitungen. Die Kolleginnen bringt man alle dazu, zu unterschreiben. Ich weigere mich. Damit ist meine Zukunft besiegelt! Eine berufliche Zukunft bei der Post gibt es nicht mehr. Die will ich ohnehin nicht, denn für mich steht sowieso fest, dass ich Diakon werden will. Dafür benötigte ich jedoch zuvor eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach einer schweren Rippenfellentzündung hatte ich mir eine Lymphdrüsentuberkulose zugezogen, gegen die es in der DDR keine Medikamente gab. Aber mit meiner Erkrankung ist mir auch die Diakonenausbildung verbaut. Für uns Christen in der DDR gilt die Devise: Trotz Verfolgung durch die staatlichen Organe: Ausharren! Keine Flucht in den Westen. Aber welche Perspektiven habe ich in meinem Fall? Ich wollte nach dem Abschluss der Lehre bei der Post nach Neinstedt im Harz in die Diakonenausbildung gehen, aber die Neinstedter Anstalten sind kurz zuvor verstaatlicht worden. Hinzu kommt, dass mir bekannt geworden ist, dass im Westen die ersten erfolgversprechenden Medikamente gegen die Tbc auf den Markt gekommen sind. Ich fahre sofort nach Grevesmühlen, um die Lage mit meinen Eltern zu besprechen. Mein Vater ist empört. Er verlangt, dass ich mich anpasse, unterschreibe. Er ist persönlicher Kraftfahrer des Genossen Vorsitzenden des Rates des Kreises (früher sagte man Landrat). Dieser hatte ihn ohnehin schon mit der kritischen Bemerkung konfrontiert, es sei für einen Parteigenossen ehrenrührig, einen „Kugelkreuzler“ als Sohn zu haben. „Ihr sollt Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Das Familienklima ist gespannt. Mutter rät mir zu, in den Westen zu gehen. Ich habe innerhalb weniger Stunden einen inneren Kampf auszufechten.

Am frühen Morgen des 14. Mai 1953 steige ich mit nur einer Aktentasche als unauffälliges Gepäck in Grevesmühlen in den Zug, um auf dem Umweg über Neubrandenburg nach Berlin zu fahren. Die Zonengrenze ist undurchlässig. Nur das Schlupfloch Berlin ist noch geblieben. Dort kann man noch ungehindert mit der S-Bahn oder zu Fuß die Sektorengrenze überqueren. Aber rings um Groß-Berlin herum hat die Volkspolizei einen Kontrollring gelegt. Viele fluchtverdächtige Reisende werden aus den Zügen geholt und nach Verhören zurückgeschickt. Falls es in meinem Falle zu einer Kontrolle kommen sollte, will ich zu einer Familienfeier, einer „Silberhochzeit“ zu Verwandten, zur Tante Toni Seth, in Berlin-Treptow. Ein „Geschenk“ habe ich in der Aktentasche, sonst nur Wasch- und Rasierzeug, nichts was auf eine Flucht hindeuten könnte. Ich komme aber ungehindert nach Berlin hinein und mit Herzklopfen mit der S-Bahn auch in den Westsektor. Hier begebe ich mich nach Tempelhof, wo seit Jahren Ulla Schiele, geborene Feilke, mit ihrem Mann wohnt. Dort bleibe ich die erste Nacht. Am nächsten Morgen suche ich die kirchliche Beratungsstelle für junge Flüchtlinge aus der DDR auf, deren Adresse ich im Kopf habe. Ich werde aufgefordert, mir mein Vorhaben doch noch einmal gründlich zu überlegen, es könnten doch nicht alle weglaufen, was solle dann aus der Kirche in der DDR werden. Dafür hatte ich die Reise nach Berlin nun doch nicht auf mich genommen. Ich habe mich fest entschieden und bin mir meiner Sache sicher. So nennt man mir die Anschrift der Kontaktbehörde. In diesen Wochen und Monaten kommen täglich tausend oder gar mehrere tausend Menschen über Berlin in den Westen. Ein großer Exodus blutet die DDR aus, bis Ulbricht am 13. August 1961 die Mauer bauen lässt. Auf dem Messegelände am Funkturm sind in den großen Ausstellungshallen riesige Auffangbüros eingerichtet worden. Ich kenne das Gelände noch vom Kirchentag in Berlin 1951 her. Vor zwei Jahren war ich hier gewesen. So beantrage ich nun die „Notaufnahme“. Ich bekomme einen „Laufzettel“. Es beginnt das Stempelsammeln: einer vom amerikanischen Dienst, der nächste vom britischen, der dritte vom französischen, der vierte von einer ärztlichen Dienststelle. Ich werde Inhaber eines Gesundheitspasses für Flüchtlinge. Die ärztliche Untersuchung ist gründlich und bewirkt sofort, dass ich in ein Krankenhaus nach Tegel eingewiesen werde.

Während meines Aufenthaltes in Berlin werden in der DDR plötzlich die straff angezogenen Zügel wieder gelockert: Der „Neue Kurs“ wird eingeläutet, gemäß dem Motto: Vom großen Bruder lernen. So etwas gab es in den zwanziger Jahren auch bereits einmal in der Sowjetunion: Die NEP, die „Neue Ökonomische Politik“. Die Verfolgung der Kirche wird abgeblasen, einige Maßnahmen rückgängig gemacht. Die von den Oberschulen verwiesenen christlichen Abiturienten können ihr Abitur nachholen. War also meine Flucht umsonst? Im Hinblick auf meine Heilungschancen durch die neuen Medikamente im Westen war mein Entschluss der einzig richtige. So bleibe ich, bekomme einen provisorischen Personalausweis der Stadt Berlin und werde am 13. Juni 1953 mit anderen jungen Flüchtlingen von Berlin nach Hannover „ausgeflogen“ und am selben Tage per Autobus in das Durchgangslager Sandbostel gebracht. Das Lager Sandbostel im Moor bei Bremervörde hatte zur NS-Zeit als Häftlingslager gedient. Auf der Latrine empfangen mich Sprüche wie: „Erst wenn du in der Fremde bist, weißt du, wie schön die Heimat ist.“ Hier bricht eine Epidemie aus: Typhus oder dergleichen. Auch ich werde nicht verschont, überstehe es aber schnell. Eine Quarantäne schließt sich an. Nach drei Tagen Lageraufenthalt dringen aufregende Meldungen an unsere Ohren: Die Bauarbeiter der Stalinallee in Ostberlin fühlen sich durch den Neuen Kurs ermutigt und protestieren gegen die hohen Arbeitsnormen. Daraus entwickelt sich ein Volksaufstand, der auch auf andere Städte in der DDR übergreift. Auch in Schwerin gibt es Proteste. Wir kommen kaum noch von den Lautsprechern weg. Die Russen setzen Panzer ein und wälzen die „von Westagenten angezettelte Konterrevolution“ brutal nieder.

Mecklenburg

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